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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage: Wie findest Du die Muttersprache in den Unterlagen?



Volker Rossow
08.07.2008, 07:27
Hallo

Als Gesundheitspfleger in der Anästhesie habe ich selbst heute noch große Probleme, die Muttersprache fremdsprachiger Patienten in den Patientenunterlagen zu finden.

Einige Kliniken geben sich größere Mühe, das Problem zu lösen.
In manchen Kliniken habe ich das Gefühl, viele wissen überhaupt nicht, warum man die Muttersprache von fremdsprachigen Patienten in Funktionsabteilungen braucht.


Patient wacht nach der Narkose auf
Patient in der Aufwachstation
Patient auf der Intensivstation

Wie könnt Ihr bei fremdsprachigen Patienten die Muttersprache in den Patientenunterlagen in Eurer Einrichtung finden?

Ich würde mich über viele Beispiele freuen, zudem suche ich selbst nach einer "optimalen" Lösungen, damit es für Patienten und dem Personal leichter wird.

Mit welchem Satz oder welcher Wörterfolge wird das Personal dazu gebracht, die Muttersprache auf die Patientenunterlagen zu fixieren?

pffanja
08.07.2008, 09:26
Bei uns sind die Aufklärungsschreiben in der jeweiligen Muttersprache und oben steht es dann. Z.B. Türkisch, Französisch...
Ausserdem ist immer in der Kurve des Patienten ein Laufzettel mit allen wichtigen Informationen. (Name, Geburtsdatum, Adresse, Muttersprache, Kontaktdaten...)

Da fällt mir grad ein, ausserdem steht es in der IndividuellenPflegeplanung die wir für jeden Patienten erstellen.

Flocky
08.07.2008, 10:31
Bei uns wird die Muttersprache in der Pflegeanamese dokumentiert - und wenn dort einen andere Spache als Deutsch eingegeben wird wird automatisch auch als Pflegediagnose "verbale Kommunikation eingeschränkt " in der Pflegeplanung vorgeschlagen.
Allerdings habe ich bei uns die Erfahrung gemacht dass das Personal aus den Funktionsabteilungen teilweise nicht bereit ,oder nicht in der Lage ist in der normalen Doku nachzulesen sondern erwartet ,dass alles was ihnen relevant erscheint nochmals auf dem Anästhesieprotokoll vermerkt wird. L.G. Flocky

Volker Rossow
08.07.2008, 16:58
Hallo zusammen!

Freut mich, dass ich so schnell zwei Antworten bekommen habe.

Als ich in Paris und London ein je vierwöchiges Anästhesie-Praktika gemacht habe, wurde mir schnell klar, dass das Thema Sprachen in den dortigen Kliniken viel ernster genommen wird als in Deutschand.

Das Bewußtsein für Sprachen ist in der Krankenpflege bis heute kaum exisitent. Dies liegt nicht nur an den einzelnen Pflegekräften, sondern auch am System wie die Gesundheitspflege vermittelt wird.

Trotzdem hoffe ich, dass sich hier noch viele mit ihren Erfahrungen melden. Im Oktober 2008 darf ich auf dem Bayrischen Anästhesiekongress einen Vortrag halten. Vielleicht bekomme ich hier über das Thema "Muttersprachen" noch einige Anregungen, wie deutsche Krankenhäuser damit umgehen.

So kann sich jeder vorstellen, wie ich mich freue, wenn sich hier zu diesem Thema interessante Ideen treffen.

behid
08.07.2008, 17:32
Hallo Volker,

interessante Frage. Ich kann im Augenblick gar nicht so genau sagen, wo und ob wir das überhaupt irgendwo dokumentieren. Bei uns geht es ja auch eher um die Sprache der nächsten Angehörigen, den Eltern! Ob die sprache der Mutter irgendwo notiert wird auf den jeweiligen Stationen keine Ahnung!? Auf den Unterlagen der Kinder jedenfalls nicht. Das ist "lediglich" Thema bei der mündlichen Übergabe, weil es die Kommunikation mit den Eltern erschwert. Allerdings fällt mir immer wieder auf, dass die Bewertung der Deutschkenntnisse doch sehr unterschiedlich ist. Die eine Pflegekraft kann sich gut und ausreichend mit der Mutter oder dem Vater verständigen, die Andere kommt nur unzureichend mit Ihnen ins Gespräch.

Ein Problem stellt es im Alltag auf jeden Fall dar, da fast die Hälfte unserer Früh und Neugeborenen Kinder von Migranten sind.

Gruß
Behid

pffanja
21.08.2008, 10:42
Aber es hat schon in allen Kliniken Aufklärungsbögen ect in verschiedenen Sprachen?

Schnecke
21.08.2008, 12:40
Ja, wir haben diese mehrsprachigen Aufklärungsbögen auch. Doch wenn man sie braucht, ist ausgerechnet zu dieser Aufklärung und in dieser Sprache nichts mehr im Fach. Na ja, wir brauchen die in der Inneren nicht soo oft...und die für uns gängigen (KMP, Chemotherapie etc.) haben wir natürlich immer da.

Die Sprache des Pat. ist bei uns in der Pflegeanamnese vermerkt, so wie bei Flocky steht bei uns dann auch direkt dabei Kommunikation eingeschränkt o.ä. und, falls vorhanden, Name und Tel. eines Dolmetchers.
Desweiteren vermerken wir auch, falls Kommunikation in der Heimatsprache nicht mögl., ob der Pat. dafür noch eine andere Sprache (teilweise) spricht. Nur um zu sehen, ob man sich dennn wenigstens z.T. irgendwie verbal verständigen kann.

Volker Rossow
21.08.2008, 19:11
Hallo Schnecke

Bei Euch im Krankenhaus läuft es ja vorbildlich mit dem sichtbar machen der Muttersprache.
Erst vor ein paar Tagen habe ich auf meiner Website etwas zu diesem Thema geschrieben:

Einsatzgebiet: Dokumentation – Patientenkurve
Thema: Muttersprache und andere Sprachen der Patienten sichtbar machen


Bei einer geplanten Aufnahme von einem nur fremdsprachigen Patienten (der nicht Englisch spricht) wird meistens eine Lösung gefunden, um mit dem Patienten in verbalen Kontakt zu treten. Angehörige helfen mit oder ein Dolmetscher muss organisiert werden. Mit den Angehörigen oder einem Dolmetscher ist es leicht und schnell zu klären, welche Sprachen der Patient lesen kann, sprechen oder nur verstehen kann. Ohne diese Helfer ist dies nicht mehr so leicht möglich oder sogar unmöglich. Meist wird die Anamnese des Patienten gleich bei dieser Gelegenheit medizinisch und pflegerisch erhoben.
Vielen Pflegekräften ist bei der Aufnahme und ausfüllen der Patientenkurve nicht bewusst, wie wichtig die Muttersprache des Patienten ist. Deshalb passiert es immer wieder, dass die Muttersprache nicht extra aufgeführt wird, neben den Sprachen die der Patient zusätzlich lesen kann, spricht oder nur versteht.



Die Muttersprache ist bildungsunabhängig und ist deshalb die sicherste Form für den Patienten (und letztendlich auch für das Personal) etwas zu verstehen, erklärt zu bekommen oder etwas besprechen können.


Bei uns in einigen Kliniken dokumentiert man dies unter dem Thema „Kommunikation“:

Einschränkungen: Ja/Nein
Sprach-/Hör-/Sehprobleme:
Patient taub: Patient schwerhörig:
Hilfsmittel Sehen:
Hilfsmittel Hören:
Hilfsmittel Sprache:
Patient fremdsprachig: Ja/Nein Muttersprache:


Ich würde dies noch erweitern mit:

Deutsch: kein Wort, einige Wörter > 10, wenige Sätze > 10 (zum unterstreichen)
Weitere Sprachen:
Kann lesen: Kann sprechen: Kann nur verstehen:

Da in bestimmten Bereichen und/oder speziellen Situationen keine Angehörigen beim Patienten bleiben können (oder einfach nicht da sind), sind die Informationen zur Kommunikation für Fachabteilungen wie Operationsabteilung, Intensivstation, Aufwachraum usw. wichtige Informationen, die schnell einsehbar sind, wenn es nötig wird um rasch und professionell darauf reagieren zu können. Sprachhilfen zusammen zu stellen oder spez. Mitarbeiter zu mobilisieren, oder auch per Telefon eine Telefondolmetschung zu organisieren.


Eine Patientenkurve mit exakten Angaben zur Muttersprachen und weiteren Sprachen sind in schwierigen Situationen Gold wert.

Die alleinige mündliche Übergabe reicht bei Fremdsprachen in der Regel nicht aus, da es immer wieder zu großen Missverständnissen führt, bei der Benennung der Sprachen. Da es zu diesem Thema kaum eine Fortbildung gibt und oft als überflüssig angesehen wird. Z. B Verwechslung Slowenisch – Slowakisch, Araber verstehen nicht immer Hocharabisch, Chinesisch können Chinesen lesen aber sprechen in ca. 7 verschiedenen Sprachen usw.