Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwarzarbeit bei Oma
Oldtimer
10.03.2008, 15:24
Habe in unserer Zeitung einen interessanten Artikel gefunden.
Seite leider nicht mehr präsent!
Gruß Oldtimer
Im Artikel wird ja geschrieben, dass die Familie eigentlich den legalen Weg ueber die Arbeitsagentur gehen wollte, die ganze Angelegenheit dann aber viel laenger (Monate...) gedauert haette.
Kann man da nicht ansetzen und den Prozess vereinfachen und damit deutlich verkuerzen?
Damit waere zumindest die Straftat abgewendet und die Hilfe waere legal......
Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ist es eine ernstzunehmende Konkurrenz?
Oldtimer
12.03.2008, 11:25
Hallo Aloha,
gerade wir im ambulanten Dienst merken es ganz extrem, wir sind im Gegensatz zu ausländischen Hilfskräften zu teuer!
Im Moment habe ich aber auch einen Fall, wo ich merke, dass so eine Hilfskraft nur ausgenutzt wird !
Wir kommen zwar auch zu dem Kunden, aber dürfen eigentlich außer Bett beziehen nichts machen, duschen, pflegen, VW wird alles von dieser Hilfskraft gemacht, so will es die Ehefrau! Dieser Kunde liegt jetzt im sterben und wir machen abends im Bett nur Intimpflege!
Man sieht am Kunden Pflegefehler, aber wir dürfen nichts dagegen sagen ( Spitzfuß, falsche Lagerungen )
Diese Ungarin hatte vorher von Pflege keine Ahnung und muß jetzt zum Teil 48 Stunden am Stück dasein! Sie traut sich nichts zu sagen, ist aber total überfordert!
Viele Angehörige finden solche Kräfte billig und vor allem, sie sind 24 Stunden da, was wir im ambulanten Dienst nicht bieten können!
Also ich meine, wenn schon solche Arbeitskräfte, dann sollten sie legal hier sein und etwas vom pflegerischen Verstehen, dann kann ich es akzeptieren!
Als ernstzunehmende Konkurenz, was das pflegerische betrifft sehe ich solche Menschen zwar nicht, aber es werden ihnen Arbeiten aufgebürdet, die sie eigentlich garnicht machen dürften und wo einfach die Arbeit eines Pflegedienstes wäre!
Gruß Oldtimer
Viele Angehörige finden solche Kräfte billig und vor allem, sie sind 24 Stunden da, was wir im ambulanten Dienst nicht bieten können!
Also ich meine, wenn schon solche Arbeitskräfte, dann sollten sie legal hier sein und etwas vom pflegerischen Verstehen, dann kann ich es akzeptieren!
Als ernstzunehmende Konkurenz, was das pflegerische betrifft sehe ich solche Menschen zwar nicht, aber es werden ihnen Arbeiten aufgebürdet, die sie eigentlich garnicht machen dürften und wo einfach die Arbeit eines Pflegedienstes wäre!
Gruß Oldtimer
Hallo Oldtimer,
mir ist bewusst dass du aus Sicht eines Pflegedienstes argumentierst und in mir toben auch 2 Meinungen. Das eine ist klar die Fachliche und das andere die einer Angehörigen, die sich mit dem Problem beschäftigen muss um ihre Lieben gut versorgt zu wissen.
Die der Angehörigen ist ganz klar die, dass es häufig gar keine Alternative gibt und auf diese Hilfskräfte angewiesen ist. Wenn man als Sohn oder Tochter selbst arbeiten muss, pflegebedürftige oder nur betreuungsbedürftige Eltern hat und noch kein Pflegeheim will oder gar gefunden hat, dann bleibt einem oft kein anderer "bezahlbarer" Ausweg. Es geht doch bei vielen alten Menschen lediglich oder zum Großteil darum, dass jemand zuhause ist, der kocht und sauber macht und Zeit für Beschäftigung und einen Spaziergang hat. Die eigentliche Körperpflege wird ja auch sonst vielfach von Angehörigen übernommen, die keinerlei pflegerischen Kenntnisse besitzen. Ich kenne, wie wahrscheinlich alle, genügend Leute die pflegerische Tätigkeiten an Angehörigen ausgeführt haben ohne jegliche Ausbildung. Und mal ehrlich, ohne die wäre unser System lange zusammengebrochen.
Weil ich die illegale "Ausbeutung" dieser meist osteuropäischen Frauen aber auch in keinster Weise gut finde, würde ich eine solche zwar im Bedarfsfall beschäftigen, aber nicht ohne darauf zu achten, dass sie die gesetzliche vorgeschriebenen Pausen, freien Tage und auch Urlaub bekommen würden. Und die Behandlungs-Pflege würde ich über einen Pflegedienst organisieren, damit niemand überfordert wird. Um diese Vorstellungen zu gewährleisten, kann man froh sein, wenn die Angehörigen über die finanziellen Mittel verfügen um sich diesen "Luxus " zu leisten. Leider ist das aber bei einem Großteil der Bevölkerung nicht mehr so und neue Lösungen sind nicht in Sicht....
Eine ratlose
Behid
Man sieht am Kunden Pflegefehler, aber wir dürfen nichts dagegen sagen ( Spitzfuß, falsche Lagerungen )
Duerftet Ihr denn beraten, fuer welche Massnahmen Ihr Fachpflegekraefte vorschlagen wuerdet und was durch eine ungelernte Pflegerin durchfuehrbar ist? Irgendwie sollte man da ja doch zu einem Kompromiss kommen, der auch im Sinne des Patienten ist.
Aber manche Angehoerige sind da wahrscheinlich von Anfang an misstrauisch, da Ihr ja Euren Service verkaufen wollt.
Ansonsten sehe ich es wie Behid, es ist schwierig, den richtigen Weg zu finden.
Oldtimer
15.03.2008, 14:40
Hallo Aloha,
von wegen beraten, wenn wir was geagt haben ist man mit einem lächeln darüber hinweggegangen! Bei dem Kunden speziell muß ich sagen, Geld regiert die Welt!
Es hört sich zynisch an, aber ich hoffe, dass gestern mein letzter Besuch bei ihm war, da ich über Ostern Urlaub habe, vor allem kann ich diese Pflege bald nichtmehr mit meinem Gewissen vereinbaren! :megasauer
Grüßle Oldtimer
Ich kann mir vorstellen, dass man bei solchen Kunden froh ist, wenn man nicht mehr hin muss... Ist ja wirklich eine verfahrene Situation.
Kann sich der Patient selber denn noch aeussern oder wird alles von den Angehoerigen geregelt?
Oldtimer
17.03.2008, 15:25
Leider kann sich der Kunde dazu nicht mehr äußern!
Alles andere wird von zwei ausländischen Hilfskräften bestimmt , beides ungelernte Kräfte und die Ehefrau des Kunden hat selbst Multiple Sklerose und möchte damit nicht belastet werden (ist übrigens selbst Ärztin)
Der Kunde wird jeden Morgen auf den Nachtstuhl gezerrt und geduscht, obwohl fast nichtmehr ansprechbar, er hängt auf dem Stuhl wie ein Schluck Wasser in der Kurve, aber er muß!
Warum wir kommen müssen weiß ich nicht, denn wir stehen nur daneben!
Ist im Moment wirklich eine Bescheidene Situation bainstorming
Das tut mir wirklich leid zu hoeren, aber es wird wohl immer schwarze Schafe geben.
Wenn die Ehefrau Aerztin ist, sollte man eigentlich meinen, dass sie die Arbeit von Fachpflegekraeften schaetzt und zu wuerdigen weiss...
Guten Morgen,
Ich arbeite bei einem ganz kleinen Pflegedienst und auch wir kennen das Problem.
Leider ist es nicht weiter verwunderlich, das es so viel Schwarzarbeit in dem Bereich gibt.Wenn schon große landesweit operierende Pflegedienste anfangen Schülerinnen für 5€ die Stunde einzusetzen,wundert mich nix mehr. Diese Schülerinnen sind eigendlich als Haushaltshilfe eingestellt; müssen dann aber demente Patienten betreuen, incl. Toilettengänge/Vorlagenwechsel bzw bei Bedarf Duschen. Das ist nicht vom Hörensagen, sondern mein Kindermädchen hat dieses erlebt, schon vor 6 Jahren.
Ebenso ist es gerade Frauen kaum möglich von ihrer mickrigen Rente umfassende Betreung zu finanzieren. Wie viel haben sich in den 60ern ihre Rentenansprüche auszahlen lassen? Meine Mutter sowie Schwiegermutter haben es beide getan...die eine fürs neue Dach und die andere für eine Waschmaschine......
Oldtimer
17.04.2008, 08:26
Hallo Atis,
da gebe ich dir vollkommen recht!
Bei uns ist es auch schon passiert,dass wir die Verordnungen des Arztes ausführen dürfen, aber alles andere was Pflege betrifft wird von einer Kraft aus dem Ausland durchgeführt, und wenn ich da die Pflegefehler , die dort passieren sehe geht mir der Hut hoch!
Wenn das bei uns in der Pflege passieren würde könnten wir zu machen!
Wer überprüft solche Kräfte? Niemand!Obwohl diese Kräfte nicht unter Zeitdruck stehen wie wir!
Richtige Pflege hat seinen Preis!
MfG Oldtimer*winke*
Mein Chef wäre der erste, der das anzeigen würde, erst recht wenn wir als Pflegedienst da mit involviert sind. Da hat die Pflegefachkraft vielleicht doch noch eine besondere Verantwortung, oder?
Wie gesagt, ich habe das noch nicht so erleben müssen in der Praxis, aber kann es mir sehr lebhaft vorstellen.
mmmh, wo zeigt man denn überhaupt so etwas an?
Oldtimer
17.04.2008, 08:44
Auch wir haben uns noch nie dagegen gewehrt, aber ich glaube, dass muß man bei der Krankenkasse melden, da die Kunden ihr Pflegegeld von dort beziehen!
Ich denke, dass die Pflegekraft die ganze Verantwortung hat und uns geht es auch an den Kragen, wenn was schief läuft, aber was passiert solchen Aushilfskräften? Nichts!:schuld
Die meisten sind einfach in die Familie intigriert!
LG Oldtimer
Naja, ich finde dieses Thema echt zweischneidig, weil ich weiß das nur eon ganz geringer Prozentsatz der Patienten sich eine 24h Betreuung leisten kann.
Ich habe in meiner ganzen Zeit lediglich einen (sehr reichen) Patienten gehabt, der es sich leisten konnte eine solche Betreuung aufzubauen.Das bedeutet dann aber auch 7 Betreuer im Schichtdienst und zusätzlich 2x täglich Pflegedienst bei einem recht fitten Menschen. Was das kostet mag ich nicht überlegen....:D
Mir stellt sich bei diesem Thema immer wieder die Frage, wie die Verantwortlichkeit bei pflegenden Angehörigen denn geregelt ist? Wird da die Verantwortlichkeit anders bewertet wie bei Aushilfs-Laienpflegern?
Fakt ist viele Familien sind in einem Dilemma. Nicht alle Pflege- und Betreuungsleistungen werden von der Kasse finanziert und wer soll dann bezahlen. Da ist häufig gerade mal eine Aushilfskraft drin. Wenn ich als Laie meine Mutter versorge und keine Ahnung von Demenz und sonstigen "Alterserscheinungen" habe geht das in Ordnung. Wenn die polnische Nachbarin das übernimmt für ein paar € die Stunde nicht?
Ist jetzt etwas provozierend meine Antwort, aber wenn man als Familie selbst betroffen ist und keine andere Möglichkeit sieht um den Eltern möglichst lange ein Leben in den vertrauten 4Wänden zu ermöglichen und man selbst (weil berufstätig) nur begrenzte Möglichkeiten hat.....?
Fakt ist doch ganz klar, jeder sucht sich die Möglichkeiten heraus die für ihn finanzierbar sind. Deutsche Kräfte können 24h Betreuung nicht zu moderaten Preisen leisten, also sucht sich die Familie jemanden, den sie bezahlen kann. Ich würde es wahrscheinlich auch tun.
Ich denke, dass die Pflegekraft die ganze Verantwortung hat und uns geht es auch an den Kragen, wenn was schief läuft, aber was passiert solchen Aushilfskräften? Nichts! Die meisten sind einfach in die Familie intigriert!
Sicher ist eine qualifizierte Pflege wünschenswert! Und wir kritisieren , zu Recht, die mangelde Qualifikation der Aushilfskräfte. Aber die Menschen die zuhause, Mutter, Vater, Schwiegereltern, Tanten, Onkel oder schwerbehinderte z.T. erwachsene Kinder pflegen machen doch sicher auch Pflegefehler. Wenn man es rein fachlich betrachtet! Das wird akseptiert...., ich würde in keinem Fall soweit gehen (wenn die Pflegebedürftigen gut versorgt sind und nicht vernachlässigt werden) dann die pflegenden Familienangehörigen wegen irgendwelcher Fehler anzuprangern. Und im Grunde, jetzt mal aus der Sicht einer Angehörigen, ist die Beschäftigung von Aushilfskräften doch nur eine logische Fortsetzung unserer Lebensstrukturen. Töchter und Söhne wohnen nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern oder gehen vollzeit arbeiten und können die Pflege, so wie früher, nicht mehr innerhalb der eigenen Familie gewährleisten. Und weil die Eltern mit Unterstützung durchaus noch im eigenen Häuschen oder der langjährigen Mietwohnung leben können sind die Aushilfskräfte ein guter und finanzierbarer Weg aus der Misere. Wie schon mal gesagt, ohne diese Frauen auszubeuten und unter Gewährleistung von Feierabend und freien Tagen.....
Ganz aktuell gefunden und passend zu diesem Thema!
Mit Beschäftigungsverordnung gegen Billigpflege? (http://pflegen-online.de/nachrichten/aktuelles/mit-beschaeftigungsverordnung-gegen-billigpflege.htm)
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