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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Definition "Gerontopsychiatrie"



Brady
06.02.2008, 16:06
Die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie (DGGPP) definiert die Gerontopsychiatrie als einen eigenständigen Teilbereich der Psychiatrie, wobei sie jedoch nicht als eine einfache Extrapolation der „Erwachsenen“-Psychiatrie aufzufassen sei, sondern vielmehr unter Bezug auf die Ergebnisse der Forschung der Gerontologie und der Geriatrie ihre eigene präventive, diagnostische, therapeutische und rehabilitative Strategien entwickelt.

Weiterlesen bitte hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Gerontopsychiatrie

Brady
02.06.2008, 20:05
Gerontopsychiatrie (Psychogeriatrie)

Diagnose und diagnostische Klassifikation


Die unterscheidende Erkennung psychischer Störungen im Alter ist besonders schwierig. Dies hat mehrere Gründe:

Die Häufigkeit fließender Übergänge zwischen physiologischen Altersvorgängen und krankhafter psychischer Störung.
Das Zusammenwirken konstitutioneller , endogener und organischer sowie situativer, psychoreaktiver und biografischer Faktoren. Man spricht von der multifaktoriellen Genese psychischer Störungen des höheren Lebensalters.
Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen. Aus diesem Grund verliert der traditionelle Krankheitsbegriff jene Bedeutung, die er für die Psychiatrie des Erwachsenenalters bis heute beansprucht. Die für die Behandlung und und Einschätzung der Prognose relevante Betrachtungsweise von psychischen Störungen im Alter orientiert sich demgegenüber an gestörten Funktionsbereichen und der Bewertung aller maßgeblich beteiligten organischen, psychischen und sozialen Faktoren. Dieses Vorgehen entspricht der mehrdimensionalen Diagnostik, wie sie von Kretschmer inaugiert wurde.
Die Multimorbidität, also das - im Alter besonders auftretende - gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten.

Ätiopathogenese

*Sozial (sozioökonomischer Status und soziales Umfeld)
*Personengebunden (Lebensbiografie, Vorhandensein und Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen, situative Belastungen)
*Körperlichen (Gesundheit und Leistungsfähigkeit) Charistika
Sie stehen in enger Beziehung zu einem negativen Selbstbild. Dabei betrachtet man in diesem Funktionskreis die häufig zu beobachtenden Wechselbeziehungen zur körperlichen Gebrechlichkeit als das erste Bewegende in einer Kausalkette.
Andere Vorstellungen gehen davon aus, dass sich soziale Isolation, Lebenszufriedenheit, psychische Distanz und soziale Bewertung gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Darüber hinaus können stereotype Einstellungssysteme, die mit einer individuellen Disposition zusammentreffen, als krankheitsauslösende Faktoren Bedeutung gewinnen und auch den Krankheitsverlauf beeinflussen.
Das Ergebnis ist ein kompliziertes und vielgestaltetes Bild heterogener Entstehungsbedingungen. Deshalb spricht man von einer individualisierenden Diagnostik. An dieser Stelle von schematischen Diagnosen und einer strengen nososlogischen Vorgehensweise sollte die Beschreibung von unterschiedlichen Zustandsbildern, Krisentypen und Leitsymptomen treten.
Aus ihnen ergeben sich dann für die Praxis wechselnde therapeutische und rehabilitative Konsequenzen. Es geht um die schwierige, im Einzelfall zu entscheidende Aufgabe, möglichst alle relevanten pathogenen Faktoren zu gewichten und daraus alle erforderlichen therapeutischen Strategien abzuleiten.
Diese historisch auf Kretschmer zurückgehende Erkenntnis hat sich in der systematisierten Vorgehensweise des Assessments in allen Bereichen der Altersmedizin weitgehend durchgesetzt und hat die interdisziplinäre Arbeitsweise zur Voraussetzung.


Häufigsten Krankheiten, Symptome und Verhalten:


Verwirrtheit
kognitive Beeinträchtigungen
Depression
Sucht
Agitiertheit
Reizbarkeit
beeinträchtigte Gedächtnisleistung und Orientierung
Aggression
Hortungsverhalten

schwierige Verhaltensweisen:


aggressives Verhalten (Fremd- und Autoaggressivität)
verbal aggressives Verhalten (Schimpfen, Fluchen, Bedrohen)
lautes Verhalten (Schreien, lautes Weinen)
Weglauftendenz im aktiven Sinne (Suche nach Ausgang oder Fluchtmöglichkeit)
Versuch, bei Türöffnung zu entweichen
ausgeprägte motorische Unruhe ("Wandern"; Herumschieben und stoßen von von Gegenständen wie Stühlen und Tischen; Ausräumen von eigenen/fremden Schränken und Schubladen)
Verstopfen von Abläufen; Zerreißen von Servietten, Inkontinenzeinlagen, Zeitungen, etc.
enthemmtes Verhalten (sexuelle Enthemmung; bulimisches Verhalten, u.U. mit Entwenden von Essen von Drittpersonen oder MitpatientInnen oder Einnahme von nicht Essbaren (Pica-Syndrom)
Explosivreaktionen bis zur Gewalttätigkeit, Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit, Störung der Einhaltung der "Sozialdistanz" und anderer sozialer Konventionen etc.

Aufmerksamkeit bei


Gerade wegen der Ko- und Polymorbidität sollte man beim Vorkommen von Verhaltensweisen wie Agitiertheit, Unruhe, Erregung, Aggression u.ä. an folgende Ursachen denken:

Schmerzen
Atembeschwerden
Exsikkose
Harnwegsinfekte
Harnverhaltung
Koprostase
Medikamentenüberdosierung und
Paranoia oder Angst
Eine Erkrankung die eine große Belastung für die Umgebung sein kann, ist das Diogenes-Syndrom. Es handelt sich hierbei um eine soziokulturelle Verweigerungshaltung bei einem meistens älteren Menschen, der ein langes Leben mit sozialer Bewahrung hinter sich hat und der weder an einer schizophrenen Störung noch an einer Demenz leidet. Das Syndrom geht einher mit einer Vernachlässigung des persönlichen Lebensraums und der persönlichen Hygiene, Sammeltrieb, sozialen Rückzug und Abwehr.