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YinYang
14.02.2008, 22:05
Warum haben in Deutschland Pflegekräfte so wenig Kompetenzen? Es beginnnt mit einfachen Anlerntätigkeiten wie z. B. der Blutentnahme. Da wird in den eigenen Reihen entsetzt aufgeschrien, dies sei eine ärztliche Tätgkeit. Warum eigentlich? Was ist mit der Putzerei? Da regt sich niemand auf, dass es eine pflegefremde Arbeit ist.

Ich habe mich gestern bei meinem praktischen Arzt registriert. Die Erstuntersuchung wird von der "nurse" durchgeführt. Morgen gehe ich zur Personaluntersuchung meines neuen Arbeitgebers. Auch diese wird von der "nurse" durchgeführt.
In Südtirol wurde im Sanitätsbetrieb gegen Grippe geimpft. Das hat die Sanitätsassistentin gemachat, die Aufklärung auch.

Dies sind nur Beispiele. Aber warum geht das in Deutschland nicht?

Duria
15.02.2008, 11:17
Hallo,

ich denke, dass das diverse Hintergründe hat. Mit zunehmend schwindenden Personalressourcen, überlegt die Pflege sich sicher, welche Tätigkeiten pflegerische Aufgaben sind und welche Dinge man anderen Berufsgruppen "überlässt".
Im Prinzip ist die Blutentnahme nicht explizit pflegerische Aufgabe. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern dies inzwischen in der Ausbildung vermittelt, bzw. gelernt wird.
Die Durchführung der Blutentnahme und i.m. Injektionen war zu meiner Zeit jedenfalls noch Bestandteil der Ausbildung.
Bei uns ist es so, dass die pflegerischen Mitarbeiter BE durchführen können, aber nicht müssen. Es gibt KollegInnen, die es gerne machen und welche, die es grundsätzlich ablehnen - beides ist völlig OK. Wir machen es auch abhängig von unseren Zeitressourcen. Wenn es morgens eng wird, lassen wir die BE für den Stationsarzt liegen, wenn wir es schaffen, machen wir es.
Die "Putzerei" ist auch so eine Grauzone.... Im Rahmen der Milieupflege hat sie aber durchaus auch eine pflegerisch - therapeutische Komponente, indem ich mit dem Patienten gemeinsam z. B. in der Küche für Sauberkeit und Ordnung sorge, oder im persönlichen Umfeld des Zimmers. So kann ich seine Fähigkeiten in der Haushaltsführung überprüfen und trainieren. (Das gilt allerdings für den somatischen Pflegebereich eher nicht)

LG Duria

Flocky
17.02.2008, 06:01
Grundsätzlich muss ich dir zustimmen , es ist tatsächlich ein Problem dass in Deutschland der Pflegkräften wenig Kompetenzen zugestanden werden , das liegt in erster Linie daran das die Krankenpflege immer noch als Heilhilfsberuf eingestuft wird und fachlich der Ärzteschaft unterstellt ist.Dasführt im Alltag mittlerweile immer wieder zu Problemen ,da die meisten Ärzte von Pflege wirklich nur wenig wissen.Es gibt allerdings Bemühungen diese zu ändern und hier setzt die Diskussion ein.
Die Krankenhausträger und auch die Kassen möchten gerne diverse Tätigkeiten von der Ärzteschaft auf Pflegkräfte übertragen sehen , aus rein finanziellen Gründen.Wogegen die Pflegeverbände keine reine Delegation von Tätigkeiten wollen ,sondern bestrebt sind das es hier zu tatsächlichen Kompetenzerweiterungen kommt .Das von dir angesprochene Problem "Blutentnahme " hat allerdings in meinen Augen nichts mit Kompetenz zu tun , denn das ist eine reine Fertigkeit , die wie du selbst schreibst einfach gelernt werden kann , und die soll aus reinen Kostengründen übetragen werden und hiergegen wehren sich viele Pflegkräfte . Nicht mehr unbedingt aus grundsätzlichen Erwägungen , sondern weil es zur Zeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen so ist dass sie aus zeitlichen Gründen dafür andere Tätigkeiten liegenlassen müssten.Es ist tatsächlich eine grundsätzliches Problem , die Zusammenarbeit und auch die Aufgabenverteilung im Krankenhaus auch im gesamten Gesundheitswesen muss überdacht werden und sinnvoll an den Prozessen die stattfinden ausgerichtet werden , das geht aber nicht über den Weg der Delegation sondern nur über Kompetenzerweiterungen und auch Vorbehaltsaufgaben.Das ist ein sehr komplexes Thema , und es gibt mitlerweile viele verschiedene Gruppierungen die daran arbeiten , eine davon sind sie Vereine zu Gründung einer Pflegkammer , die Pflege zu einer eigenständigen Profession machen möchten und einer eigenen Fachaufsicht unterstellen wollen.
Es gibt mittlerweile auch in vielen Krankenhäusern Hilfkräfte wie Serviceassistenten und auch Pflegassistenten denen einfache Tätigeiten und auch Putzarbeiten übertragen werden .Auch das ist bisher in erster Linie ein Schritt um Kosten zu sparen es kann aber am Ende dazu führen das es eine komplett neue Aufgabenverteilung in den Kliniken gibt , wobei ich mir noch nicht sicher bin welche Auswirkungen das auf den Pflegprozess haben wird.
Ich wünsch euch einen schönen Sonntag
Flocky

brause
18.02.2008, 07:49
@Flocky
stimme dir (mit einigen Ausnahmen) vollkommen zu.
Das amerikanische Pflegesystem zeigt, dass Kompetenzen ganz klar abgrenzbar sein können und der pflegerische Beruf eine gut definierte Bezeuchnung hat.
Voraussetzung ist jedoch, dass die Ausbildung universitär durchgeführt wird.
gruss brause

YinYang
18.02.2008, 13:07
Voraussetzung ist jedoch, dass die Ausbildung universitär durchgeführt wird.

Warum? Dieser Zusammenhang ist mir nun gar nicht klar.

Oldtimer
18.02.2008, 14:25
Hallo Miteinander,

warum hatten wir vor Jahren noch diese Kompetenzen?

Wir mußten nach der Ausbildung noch Infusionen legen, iv spritzen, Blutentnahme sowieso u.s.w. manchmal habe ich das Gefühl wir haben einen riesigen Schritt nach hinten gemacht!

Da ich an der schweizer Grenze wohne bekomme ich mit, dass dort alles anders ist als in D , so wie es bei uns damals war!

Gruß Oldtimer

YinYang
18.02.2008, 18:45
manchmal habe ich das Gefühl wir haben einen riesigen Schritt nach hinten gemacht!

So sehe ich das auch.
@Flocky: Ich nehme immer das Beispiel mit der Blutentnahme, weil es eben ueberhaupt kein grosses Ding ist, aber von meinen Kollegen theatralisch als aerztliche Taetigkeit abgetan wird. Der Zeitplan ist fuer mich in diesem Fall eine Ausrede.
Beim pflegefremden Putzen schreit keiner, es passe nicht in den Zeitplan. Weisst Du, was ich meine? Dass Stationen notorisch unterbesetzt sind, will ich gar nicht anzweifeln, aber das meine ich damit nicht.

Flocky
18.02.2008, 18:59
@ Brause
ich habe nie behauptet, das es nicht möglich ist die Kompetenzen klar voneinander abzugrenzen , lediglich dass es in Deutschland leider bisher noch nicht so ist! Denn es ist immer noch so dass wir fachlich letztendlich dem Arzt unterstellt sind , was in der Regel kein größeres Problem darstellt in Ausnahmefällen aber schon eines sein kann. Ich selbst bin schon von Abmahnung und gar Kündigung bedroht gewesen , da ich mich weigerte ärtzliche Anordnungen auzuführen. Ist letztendlich nicht dazu gekommen ,da ich dann auf der nächst höheren Ebene Gehör fand ,und meine Weigerung nicht nur hingenommen wurde ,sondern auch akzeptiert weil sie begründet war. Aber das nur am Rande , aber das ist für mich auch der Grund weshalb sich das Berufsbild ändern muss ,und ich denke auch ändern wird . Ob die Ausbildung dafür unbedingt an einer Universität stattfinden muss, sei dahin gestelltauf jeden Fall muss sie verändert und auch in spezeillen Bereichen vertieft werden. Ich persönlich bin Befürworter einer zweigliedrigen Ausbildung.

@ Oldtimer
Der Begriff Kompetenz hat im deutschen Sprachgebrauch zweierlei Bedeutungen
1. Vermögen oder Fähigkeit und da muss ich dir Recht geben , viele von uns haben gelernt Blut abzunehmen , Spritzen zu setzen ,Infusionen anzulegen etc. und auch jahrelang durchgeführt
2. Zuständigkeit oder Befugnis
und die Befugnis haben wir vor dem Gesetz nie gehabt , lediglich auf dem Weg der Delegation .
Von daher kann ich es nicht als Rückschritt ansehen , dass es jetzt Bemühungen gibt ,uns jetzt endlich mit dieser Kompetenz (im Sinne von Zuständigkeit / Befugnis) auszustatten. Und solange man sie uns eben nicht zugesteht werden sie auch nicht ausgeführt.
Zumal es ja auch noch immer das Problem der zeitlich knappen Ressourcen gibt. Ich möchte nicht mehr auf die geplante und individuell anpepasste Pflege verzichten ,weil ich keine Zeit habe ein Pflegplanung zu schreiben ,da ich Blut abnehmen muss. Das wäre in meinen Augen in wirklicher Rückschritt.
Ich bin neugierig auf die weitere Diskussion
Flocky

YinYang
18.02.2008, 19:09
Ich möchte nicht mehr auf die geplante und individuell anpepasste Pflege verzichten ,weil ich keine Zeit habe ein Pflegplanung zu schreiben ,da ich Blut abnehmen muss.
Provokante Frage, aber nicht boese gemeint: Wie ist es mit Aufraeum- und Putztaetigkeiten, die wuerdest Du machen? Nach der Pflege natuerlich. Will sagen, fuer diese Dinge finden wir immer Zeit....

brause
18.02.2008, 21:06
ich kann oldtimer nur zustimmen: wir haben uns zurück bewegt, und zwar in ganz grossen schritten...
wenn ich heute eine Schülerin
(oder sagt man: Gesundheits- und krankenpflege- auszubildende??ich weiss es wirklich nicht)
auszubilden habe, bekomme ich nicht zuerst ihren ausbildungs- punktekatalog, sondern einen katalog mit den punkten, die sie nicht machen braucht.
ich habe auch den eindruck, dass die neueren generationen des nachwuchses nicht mehr so neugierig ist, interessiert, auch mal über den geplanten tellerrand hinüber weg zu schauen.
aber vielleicht bin ich da nur ein wenig schrullig, wenn ich meine, motivierter gewesen zu sein und alles ausprobieren wollte nach dem motto: vielleicht brauche ich es eines tages.

nur meine persönlichen two cents
brause

Flocky
18.02.2008, 21:50
Was ist mit Putz- und Aufraeumarbeiten, Flocky? Dafuer finden wir immer Zeit, fuer die Blutentnahmen nicht....
__________________

Es tut mir leid aber damit brauche ich mich nicht mehr belasten , dafür haben wir Serviceassitenten und ich muss sagen darüber bin ich auch froh . Allerdings hat das bisher nicht dazu geführt dass ich tatsäclich mehr Zeit habe , weil nämlich im Gegenzug weniger Examiniertes Personal eingesetzt wird.In Zukunft soll es so sein dass noch weiteres Hilfpersonal (Pflegeassistenten)eingesetzt wird ,um grundpflegerische Leistungen zu erledigen , so dass die Examinierten letztendlich nur noch für Behandlungspflege , Visite Pflegeplanung und auch vermehrt Beratung und Schulung der Patienten zuständig sind . Die Pflege planen und evaluieren und die Durchführung der Grundpflegerischen Massnahmen delegieren und überwachen. Das alles geschieht in erster Linie um Kosten einzusparen, und vielleicht auch um Zeiten freizuschaufeln ,damit Tätigkeiten wie Blutentnahmen oder ähnliches übernommen werden können.
Dem stehe ich noch skeptisch gegenüber ,da ich darin die Gefahr sehe das wir noch weiter in die funktionelle Pflege zurück fallen.Obwohl das vielleicht auch eine Frage der Ausgestaltung ist.
Ich möchte noch einmal betonen , ich bin im Prinzip ja gar nicht dagegen Blut abzunehmen. Mir geht es lediglich darum , dass hier auf der einen Seite eine Berufsgruppe entlastet werden soll indem man ihr die Blutentnahmen abnimmt. Und auf der anderen Seite ganz selbstverständlich angenommen wird ,das diese Tätigkeit von einer anderen übernommen wird , ohne dass sich irgendwer Gedanken darüber macht ,wie diese denn entlastet werden kann. Und die Pflege steht daneben und klatscht Beifall ,weil sie sich aufgewertet fühlt.
Sorry war jetzt ein bisschen boshaft und geht auch am Kern vorbei.
Wie gesagt/geschrieben ich bin gar kein Gegner von der Übernahme von bestimmten ärztlichen Tätigkeiten , teilweise übernehmen wir sie ganz selbstverständlich mit ,aber ich möchte dann nicht mehr im rechtsfreien Raum stehen.
Die Kompetenz im Sinne von Fähigkeit/Fertigkeit ist mir in der Ausbildung vermittelt worden bzw. kann in der Ausbildung vermittelt werden ,jetzt geht es um die Kompetenz im Sinne von Zuständigkeit und Befugnis und die muss mir dann auch zugestanden werden vom Gesetz her und auch von der Ärzteschaft.
Eines möchte ich nur noch am Rande anmerken. Ich bin auch schon so lange in der Pflege, das ich mich noch sehr gut daran erinnern kann wie es war als die Schwestern das Blut abgenommen haben, und vor allem wie es dann umgestellt wurde, das es von den Ärzten gemacht werden musste. Als die Schwestern noch abnehmen mussten wurde an einem Tag das Blutbild abgenommen , am nächsten dann die E´lyte und am dritten dann das CRP um dann wieder von vorn anzufangen .Jetzt wird alles drei alle drei Tage und seltener abgenommen , weil sie müssen es ja selber abnehmen . Hat auch ein klein wenig mit Patientenorientierung zu tun.
Nichts für ungut
Flocky

Flocky
19.02.2008, 09:47
Ich verstehe gar nicht warum immer nur auf das Argument der zeitlichen Ressourcen eingegangen wird und die andere Argumentation fast völlig unter den Tisch fällt.
Um mein vorher Gesagtes/Geschriebenes noch einmal zu verdeutlichen.
Ich bin durchaus dafür das Pflegende mehr Kompetenzen erhalten und in diesem Rahmen auch Blutentnahmen übernehmen.Beispiele hierfür wären:
eine selbständige Blutzuckereinstellung im Rahmen eines vorgegebenen Standards oder auch eine Marcumareinstellung innerhalb klar vorgegebener Richtlinien oder die Überwachung eine Heparinperfusors durch 2x tgl. PTT Kontrollen und entsprechende Regulation - das wären in meinen Augen Kompetenzwereiterungen im Sinne einer Prozessoptimierung. Sie würden mir viel Zeit und Rederei ersparen ,weil ich nämlich nicht mehr hinter Marcumaranordnungen hinterherlaufen muss ,und der Arzt könnte Zeit sparen weil er sich nicht mit Routineanordungen befassen muss.

Ein nächstes wäre die selbstsändige Verordnung von Pfleghilfsmitteln und auch von Pflegeleistungen , denn zum einen wird der Bedarf in der Regel von Pflegekräften festgestellt und dann den Ärzten mitgeteilt .Allerdings braucht es dann dafür eine Verordnung vom Arzt . Bei uns sieht das in der Regel so aus das die Pflegekräfte die Verordnung ausfüllen und auch mit den Kassen abklären, und der Arzt setzt seine Unterschrift drunter . Ich bin mir nicht sicher ,dass er immer weiss wass er da unterschreibt , aber das ist ja eigentlich auch nicht nötig.

Ich möchte sogar soweit gehen dass von Pflegekräften im Rahmen ihrer Pflegeanamese auch die Grunddaten einer ärztlichen Anamese erhoben werden könnten , inklusive die Ermittelung von Ergebnsissen wie z.B. EKG oder auch grundlegende Laborwerte . Sie könnten dann auch Prioritätetn setzen und die Reihenfolge der Vorstellung beim Arzt anhand der ermittelten Ergebnisse festlegen. Auch das sehe ich im Sinne einer Prozessoptimierung, denn dann könnte der Arzt sich auf die unklaren und auffälligen Werte konzentrieren .

Ich kann mir also eine ganze Reihe von Kompetenzerweiterungen vorstellen und ich denke auch dass es zumindest zu einigen davon kommen wird. Dafür ist es allerdings notwendig dass zum einen die gesetzlichen Rahmenbedíngungen geändert werden ( im Moment ist es so dass es rein rechtlich mit noch nicht einmal erlaubt ist eine BZ Kontrolle zu machen ohne dass sie vom Arzt angeordnet ist oder ein Notfall vorliegt )und zum anderen die Ärzteschaft bereit ist die Pflegekräfte als gleichberechtigte Partner zu akzepzieren.Und dahin ist es noch ein weiter Weg . Außerdem müsste es auch im Bereich der Pflege zu einer Aufstockung von Personal oder einer Umverteilung von Aufgaben kommen.
Zum jetzigen Zeitpunkt und unter den jetzigen Bedingungen stellt die Übernahme von Blutentnahme keinerlei Kompertenzerweiterung dar , sondern es wird lediglich eine ungeliebte weil zeitaufwändige Arbeit an eine andere Berufsgruppe delegiert.Und das bin ich nicht bereit hinzunehmen.
Flocky

marmotte
19.02.2008, 11:57
ich habe auch den eindruck, dass die neueren generationen des nachwuchses nicht mehr so neugierig ist, interessiert, auch mal über den geplanten tellerrand hinüber weg zu schauen.

Hallo brause

da fühle ich mich als Gesundheits- ud Krankenpflegeschülerin doch angesprochen ;).

Es liegt, wie eigentlich immer, am Menschen selbst.
Ich bin an einer Schule, die Wunderbares anbietet, wo auch genau der Tellerrand überwunden werden soll. Die Angebote der Schule zielen absolut darauf ab, daß die Auszubildenden genug Rüstzeug bekommen, mit den Anforderungen im Berufsleben zurecht zu kommen.
Mein Eindruck ist allerdins, daß nur wenige Auszubildende damit wirklich etwas anfangen können. Zu jung, zu unreif, zu unerfahren? Vielleicht.

Was die Kompetenzen angeht - realiter ist es so, daß Pflegende längst ärztliche Aufgaben übernehmen, und es meist besser machen als ein Arzt :cool:.
Ich wäre unbedingt dafür, diese Kompetenzen auch rechtlich den Pflegenden zu übergeben, statt wie bisher in einer Grauzone zu arbeiten: rechtlich darf ich es nur nach Anordnung, real mache ich es aber trotzdem.
Da kann ich mich Flockys Argumentation nur anschließen.

Es ist ein weiter Weg.... Doch gerade wir Auszubildende haben die Möglichkeit (und auch die Pflicht?!), etwas zu verändern. So sehe ich es zumindest.

liebe Grüße
marmotte

YinYang
19.02.2008, 15:39
In Zukunft soll es so sein dass noch weiteres Hilfpersonal (Pflegeassistenten)eingesetzt wird ,um grundpflegerische Leistungen zu erledigen , so dass die Examinierten letztendlich nur noch für Behandlungspflege , Visite Pflegeplanung und auch vermehrt Beratung und Schulung der Patienten zuständig sind . Die Pflege planen und evaluieren und die Durchführung der Grundpflegerischen Massnahmen delegieren und überwachen.
Ich finde das eine sehr gute Entwicklung. Im europaeischen Ausland ist diese laengst Gang und Gaebe. Vielleicht geht es ja auch darum, europaeische Richtlinien zu befolgen, wie in vielen anderen Bereichen auch.

Ich finde es gut, dass Grundpflege von Assistenten uebernommen wird, Fachpersonal muss das natuerlich ueberwachen. Und ich bin der Meinung, dass die Blutentnahmen von Pflegefachpersonal uebernommen werden sollten und sehe es nicht so, dass diese Berufsgruppe damit entlastet wird. Es ist einfach nicht deren Aufgabenbereich.

Michl
20.02.2008, 15:53
Ich finde das eine sehr gute Entwicklung.Ja, wobei es kaum zu glauben ist, dass man momentan tatsächlich der Entwicklung noch etwas positives abgewinnen kann.

Um mich festlegen zu wollen, wie ich mein Berufsbild und meine Kernkompetenzen sehe, muss ich erst die Rahmenbedingungen vorausschauend für die nächsten 10 Jahre betrachten. (Zumindest den Versuch vorauszuschauen anhand bestehenden Prognosen).

Da heißt es: Anstieg älterer und pflegebedürftiger Menschen, sowie Pflegefachkräftemangel

Daraus folgt, dass eine Pflegefachkraft NOCH MEHR Patienten zu betreuen hat.

Nächster Gedankenschritt: Welche Betreuung muss von einer Pflegefachkraft durchgeführt werden und kann NICHT delegiert werden?

Und da sind wir im Bereich unser zukünftigen Tätigkeit, die ich mal prognostiziere (wenn Pflege so schlau ist und darauf hinarbeitet):

Pflegeanamnesen, Pflegeplanung, Festlegen von Pflegeinterventionen, Evaluationen, Schulungen v. Pat./Angeh.,
Anleitungen, Koordination und Kontrolle der Hilfskräfte.
Koordination der ärztlich verordneten Therapien.
Ausführen von NICHT an Hilfskäfte DELEGIERBAREN Tätigkeiten: Medikamentenvergabe (oral, iv., im., sc.), Verbandswechsel.

Alles andere kann und muss (zukünftig) delegiert werden. Und, weil es so gerne diskutiert wird, insbesondere die Blutabnahme!

Freilich, es ist eine patientennähere Tätigkeit als Ausleerräume putzen - aber auch das wird definitiv keine Pflegetätigkeit mehr sein. (Wo es jetzt noch so ist, da wurden die Zeichen der Zeit nicht erkannt.)

Delegierbare ärztliche Tätigkeiten sollten an ärztliches Assistenzpersonal weitergegeben werden.
Zum einen, weil die Pflegekräfte keine Zeit dafür haben.
Zum anderen, weil wir uns weiter aus der ArzthelferInnenposition lösen sollten um uns unseren Kernkompetenzen zu widmen.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind ArzthelferInnen zudem "günstiger".
Und ein ganz wesentlicher Faktor in der Debatte: Dem Patienten ist es egal, wer das Blut abnimmt. Wichtig ist, derjenige macht es gut.

Also, meine Zukunftsstation schaut so aus, dass dort Medizinische Assistenten, Pflegehilfskräfte und Servicekräfte unter der Leitung der Pflegefachkräfte arbeiten. Die Bereichspflege macht in diesem Kontext meiner Meinung nach keinen Sinn mehr und ich würde dann eher das Modell der Bezugspflege befürworten. Wobei ich hiermit keine praktischen Erfahrungen habe und sich das sicherlich nicht 1:1 aus den USA übertragen lässt.

Ich denke, dass eine Pflegefachkraft durchaus die Fähigkeit und die Kompetenz zur Blutabnahme besitzen sollte - genauso wie ein Arzt. (z.B. nachts unter Umständen und Notfällen)

Aber, um nochmal auf meine Meinung weiter oben zurückzukommen:

Es ist nicht der Kern der Pflegetätigkeiten, auf den wir uns zukünftig konzentrieren sollten.
Wenn wir unsere Kernkompetenzen nicht selbst definieren, werden es andere für uns tun.

Grüße
Michl

marmotte
20.02.2008, 16:35
Dann sag ich mal als Auszubildende, wie ich es erlebe:

in der Schule wird uns immer wieder gesagt, zu den pflegerischen Kernkompetenzen gehören Körperpflege (waschen), Essen anreichen, Prophylaxen (Dekubitus, Thrombose, Pneumonie) und Versorgen, falls trotz Prophylaxe einer der genannten Fälle eintritt, Medikamente anreichen. Ebenso Plegeanamnese, Doku, Planung und Durchführung.

Wir werden darin geschult, auch ärztliche Aufgaben zu übernehmen (Injektionen jeder Art).

In der Realität sieht es dann so aus: Schüler übernehmen diese Arbeiten (Wäsche etc, s.o.), obwohl die Schule betont, daß wir es erst lernen müßten.
Examinierte machen die Doku, ohne Überwachung der Schüler, ohne Infos schreiben sie Pflegeberichte.
Ich selbst habe erlebt, wie eine FSJlerin nach 2 Monaten meinte, sie könne alles "vom Sehen her": sie hat Spritzen verabreicht, Körperpflege nach "Hausfrauenart" gemacht, Medikamente verteilt und fixiert, wann immer sie meinte, es müsse sein. Die Examinierten haben dies geduldet.......und weiter ihre Pflegeberichte geschrieben.

Was mich betrifft: ich kann den Standpunkt der Schule gut verstehen, denn z.B. Essen anreichen bei dementen Patienten ist keine Tätigkeit, die Hilfskräfte mal eben so machen können. Finde ich.

Wenn ich eure Antworten hier lese, kristallisieren sich andere Kernkompetenzen heraus. Liegt meine Schule also hinter dem Mond? Ich hatte bisher nicht diesen Eindruck.

lg marmotte

Michl
20.02.2008, 17:01
@ marmotte

Die Pflege befindet sich in einem Veränderungsprozess. Wohin wir uns bewegen ist nicht völlig klar. Wir wissen nur, dass wir mit der Ressource "Fachpersonal" wirtschaften müssen.

Was Du mit der Praktikantin erlebt hast, ist natürlich gesetzwidrig, gefährlich und gewissenlos. Von allen Beteiligten!

*lach*, Deine Schule liegt nicht hinterm Mond.
Wenn Du Dir die Kernkompetenz: Pflegeinterventionen veranlassen und kontrollieren anschaust, dann musst Du natürlich das theoretische und praktische Wissen/Fertigkeiten haben, dies auch beurteilen zu können. Und das lernst Du jetzt erstmal.

An Deinen Beispiel Essen eingeben:
Letztendlich brauchst Du für diese Tätigkeit keine 3 Jahre Berufsausbildung.
Du machst die Ausbildung, damit Du dieses Problem erkennst und individuell Maßnahmen aus dem Gesamtbild ableiten kannst. Und genauso wie Du die Angehörigen oder evtl. den Pat. selbst zur Esseneinnahme anleiten kannst, kannst Du das auch eine Pfelgehelferin. Das gilt für sehr viele Bereiche im "Bedürfnis befriedigenden" Bereich.


Prophylaxen (Dekubitus, Thrombose, Pneumonie) Gehören definitiv in den Bereich der Kernkompetenzen. Wie ich sagte:
Anamnese, Pflege planen (eben auch Risiken aufdecken), Interventionen (hier Prophylaxen). Ob Du dann jede Prophylaxe selbst durchführen musst, oder Teile durch z.B. Krankengymnastik übernommen wird, ist ein Teil der in die Koordination fällt, die hoffentlich zu unserer Aufgabe wird.
Die Krankengymnastik sollte m.E. im Übrigen auch dem Pflegedienst unterstellt sein.


Wenn ich eure Antworten hier lese
Das sind "nur" Meinungen und spiegeln sicherlich nicht immer die Realität wieder ;-)

Grüße
Michl

Flocky
20.02.2008, 19:39
Danke Michl , ich hatte schon das Gefühl ich bin nicht vom selben Stern.

Ich habe zwar noch ein Problem damít die Bereichspflege aufzugeben , allerdings ist es auch jetzt schon so ,dass unsere Bereich so groß sind dass wir vieles an Hilfkräfte und auch Praktikanten delegieren müssen
@ Marmotte : natürlich nicht ohne sie vorher anzulernen und sie auch entsprechend zu kontrollieren .
Aber ich denke ähnlich wie Du dass wir für uns andere Modelle suchen müssen und vielleicht auch eigene entwickeln und nicht immer nur danach schielen wie machen es die anderen . Das ein System nicht eins zu eins auf ein anderes Land zu übertragen ist hat hoffentlich jeder spätestens bei Einführung der austr. DRG?s festgestellt

Es ist nicht der Kern der Pflegetätigkeiten, auf den wir uns zukünftig konzentrieren sollten.
Wenn wir unsere Kernkompetenzen nicht selbst definieren, werden es andere für uns tun.
Und das wird höchste Zeit und auch schon von Ärztvertretern angemahnt
Pflegekräfte und Ärzte wollen Papier zur künftigen Aufgabenverteilung im
Gesundheitswesen erarbeiten / Gespräch zwischen BALK und Bundesärztekammer
BERLIN (4. Februar 2008) - Vertreter des DPR und der Bundesärztekammer
wollen ein gemeinsames Kooperationspapier zur künftigen Aufgabenverteilung
zwischen Ärzten und Pflegekräften erarbeiten. Das Papier soll im Rahmen
einer Klausurtagung erstellt werden, teilte der Vorsitzende der
Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen (BALK) e.V., Peter
Bechtel, im Anschluss an ein Spitzengespräch mit Vertretern der
Bundesärztekammer in Berlin mit. Für die Bundesärztekammer nahmen deren
Vizepräsident, Dr. Frank Ulrich Montgomery, sowie die Vizepräsidentin der
BÄK, Frau Dr. Goesmann, und Rosemarie Bristrup (Dezernat III) teil. Der
Verband BALK wurde vertreten durch den Vorsitzenden Peter Bechtel und die
Beisitzerin im BALK-Vorstand, Marie Luise Müller, die auch Präsidentin des
Deutschen Pflegerates (DPR) ist.
Nach Veröffentlichung des jüngsten Gutachtens des Sachverständigenrates
(SVR) zur Neuordnung der Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen im Sommer
2007 hatten Kommentare aus der Ärzteschaft den Eindruck erweckt, die
Profession Pflege verfolge die Absicht, künftig eine Art "Medizin light"
betreiben zu wollen. "Dieser Eindruck ist falsch", stellte Bechtel klar.
"Es geht uns keineswegs um eine Deprofessionalisierung des Arztberufes. Im
Vordergrund steht vielmehr das Bemühen um eine optimale gesundheitliche
Versorgung der Bürger und Bürgerinnen im ambulanten wie stationären Sektor
unter völlig veränderten Rahmenbedingungen."
Montgomery erklärte im Verlauf des Gespräches, dass sich die
Bundesärztekammer auf dem "Deutschen Ärztetag" vom 20. bis 23. Mai in Ulm
auch dem Thema Aufgabenzuschnitt im Gesundheitswesen widmen wolle. Er
kritisierte, dass der Pflegerat bis dato noch keinen Vorschlag zur
Überarbeitung des Kooperationspapiers zwischen Bundesärztekammer und
Pflegeverbänden aus dem Jahr 1993 vorgelegt habe. "Hier hat die Pflegeseite
noch einen Auftrag zu erfüllen", sagte Montgomery.
Nach Angaben von Bechtel lässt sich der Inhalt des etwa einstündigen
Gespräches, das "in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre" stattgefunden
habe, in folgenden Punkten zusammenfassen:
- Die Bundesärztekammer wird auf dem Ärztetag im Mai 2008 in Ulm Stellung
zu der angestrebten Neuverteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen
beziehen;
- Alle ärztlichen Vorbehaltstätigkeiten werden auch künftig klar und
eindeutig im ärztlichen Verantwortungsbereich bleiben müssen;
- Die Pflege wird ihrerseits eigene Aufgabenfelder definieren und dies auf
der Grundlage weiterentwickelter Bildungsprogramme absichern.
- Die Bundesärztekammer steht einem Berufsgesetz für die Profession Pflege
grundsätzlich offen gegenüber. Hier werden entsprechende Vorschläge
seitens der Pflege eingebracht;
- Aufgaben, die weder dem ärztlichen noch dem pflegerischen Bereich
zugeordnet werden können, müssen entsprechend qualifizierten Bereichen
zugeordnet werden;
- Die einzelnen Positionen von Vertretern der Pflege und der Medizin sollen
Grundlage einer gemeinsamen Klausurtagung zwischen BÄK und Vertretern des
DPR sein. Auf dieser Klausurtagung soll ein zukunftsweisendes
Kooperationspapier in Sachen Aufgabenverteilung zwischen Ärzten und der
Profession Pflege erarbeitet werden.
BALK-Vorsitzender Bechtel stellt fest. "Der DPR wird ein Positionspapier,
basierend auf der kontroversen Diskussion der Fachöffentlichkeit, für die
gemeinsame Klausurtagung vorbereiten. Die Voraussetzungen einer
partnerschaftlichen Zusammenarbeit sind im Interesse der
Patientenversorgung gestiegen. Eines sollte dabei allen klar sein: Ein
optimal funktionierendes Gesundheitswesen in Deutschland braucht kompetente
Ärzte ebenso wie fachkundige Pflegekräfte. Beide Berufsgruppen sind
wichtige Säulen der gesundheitlichen Versorgung von rund 80 Mio.
Bundesbürgern."
Quelle: http://www.balkev.de/

und hier ist tatsächlich Eile geboten ,denn wenn unsere Berufsverbände da nicht endlich in die Puschen kommen werden wir nie aus der Ecke der "Heilhilfsberufe" herauskommen.
Für mich ist und bleibt die Blutentnahme an sich keine Kompetenz , sonders es ist lediglich eine Fertigkeit , die jeder einigermassen handwerkliche geschickte erlernen kann. Und zum rechtlichen Hintergrund habe ich noch zwei Dateien in den Anhag gestellt.
Weiterhin auf eine angeregte Diskussion freut sich
Flocky

YinYang
21.02.2008, 15:11
Die Erstuntersuchung wird von der "nurse" durchgeführt.
Ich möchte hier noch einmal anknüpfen.
War also heute bei der nurse. Sie hat den RR gemessen, Fragen zur Familienanamnese gestellt, mich gewogen und meinen Urin untersucht. Alles ohne Arzt. Den sehe ich erst nächste Woche, auf meinen Wunsch. Ich habe während meiner Wartezeit mitbekommen, dass einige Patienten Termine bei verschiedenen nurses gemacht haben. Eine z. B. ist für den RR zuständig.
So etwas finde ich eine enorme Kostenersparnis und gar nicht negativ. Warum wird denn in D immer und für jeden "F..." nach dem Arzt geschrien?

Flocky
21.02.2008, 16:26
Ich möchte sogar soweit gehen dass von Pflegekräften im Rahmen ihrer Pflegeanamese auch die Grunddaten einer ärztlichen Anamese erhoben werden könnten , inklusive die Ermittelung von Ergebnsissen wie z.B. EKG oder auch grundlegende Laborwerte . Sie könnten dann auch Prioritätetn setzen und die Reihenfolge der Vorstellung beim Arzt anhand der ermittelten Ergebnisse festlegen. Auch das sehe ich im Sinne einer Prozessoptimierung, denn dann könnte der Arzt sich auf die unklaren und auffälligen Werte konzentrieren .

ich zitiere mich eigentlich ungern selbst - aber ich denke wir sind auf dem Weg dorthin , allerdings müssen hierzu die gesetzlichen Bestimmmung verändert werden und auch die Ausbildung muss angepasst werden.
Flocky

YinYang
22.02.2008, 23:54
http://www.ess-europe.de/europa/krankenversicherung_england.htm
Der letzte Abschnitt ist der, den ich meine. Practice Nurse.

Flocky
23.02.2008, 09:36
Ich denke wir sind da eigentlich auf einer Linie , nur das Problem ist das das Gesundheitssystem in Deutschland noch ein anderes ist. und es die "Practice Nurse" noch nicht gibt oder besser gesagt es unklar ist ob es sie in dieser Form jemals bei uns geben wird , aber die Bestrebungen der Berufsverände bzw. Pflegrat gehen in diese Richtung - ob man das englische Gesundheitssystem nun unbedingt als so vorbildlich ansehen kann ist für mich aber auch wieder ein anderes Thema.
Tatsache ist dass es Entwicklungen gibt die den Beruf und das Berufsbild nachhaltig verändern werden und da sind die Pflegekräfte alle gefordert sich einzubringen über Berufsverbände und ähnliches. Damit dabei am Ende etwas bei herauskommt ,das auch dem Interesse der Pflegenden und auch der Patienten entspricht und nicht nur der Kostensenkung geschuldet ist, und die Pflegkräfte nicht endlich aus der völligen Abhängigkeit von der Ärzteschaft herausholt . Damit meine ich in erster Linie Vorbehaltsaufgaben für professionell Pflegende .
Ich hab es endgültig satt mit Ärzten über unsinnige pflegerische Anordnungen zu streiten ,und gleichzeitig mich ständig dagegen wehren zu müssen der Wasserträger der Ärzte zu sein.
Euch allen ein wunderschönes Wochenende
Flocky

YinYang
24.02.2008, 13:59
Wasserträger der Ärzte zu sein.

Da stimme ich mit Dir vollständig überein. Die Pflge muss vor allen Dingen mal weg von dem ärztlichen Hilfspersonal. Es ist ein eigenständiger Berufszweig und untersteht nicht in der Hirarchie dem Arzt. Die beiden Berufsgruppen arbeiten halt nebeneinander, das ist etwas anderes.

Flocky
24.02.2008, 20:54
Es ist ein eigenständiger Berufszweig und untersteht nicht in der Hirarchie dem Arzt.
Da muss ich dich enttäuschenvom Gesetz her sind wir fachlich immer noch dem Arzt unterstellt zumindest in Deutschland. Das gilt es zu ändern und das geht in meinen Augen nur mit Kompetenzwerweiterungen und Vorbehaltsaufgaben für Pflegekräfte ,wie ich sie weiter oben schon erläutert habe.
Dazu muss Pflege erst einmal politikfähig werden - da heisst für mich: eine gemeinsame Position finden und die auch gemeinsam nach aussen zu vertreten.Individaulität ist schön und gut aber wenn ich als Gruppe etwas erreichen will ,muss ich als Gruppe einen Kompromiss finden und den auch vertreten können , auch wenn ich im Detail vielleicht einen andere Formulierung bevorzugen würde.
Denn da stimme ich mit dir überein - es sind verschiedene Berufsgruppen deren Tätigkeitsfelder ineinander greife,n und auch aufeinander basieren. Mir ist auch klar das man nicht alles ganz krass trennen kann, aber ich denke wir müssen partnerschaftlicher miteiander umgehen! Das ist nicht nur ein Appell an die Ärzte, sondern auch an die Pflegkräfte - denn das bedeutet auch sich auseinanderzusetzen ,mit sich selbst und auch mit den anderen.
Schönen Abend noch
Flocky

YinYang
25.02.2008, 18:39
zumindest in Deutschland
Ja, da gibt es Unterschiede. In Italien ist es meines Wissens nach anders. Für andere europäische Länder weiss ich es (noch) nicht.

Pflegeentwicklung
27.02.2008, 21:25
Hallo,

also als erstes:
Pflegende sind in Dutschland nicht dem Arzt unterstellt. Vorgesetzte sind Stationsleitung/Abteilungsleitung/PDL/Pflegedirektorin. Der Arzt hat medizinische Weisungsbefugnis weil er die medizinische Endverantwortung trägt. Das ist ein grosser Unterschied. D.h. verordnet er eine Vitalwertkontrolle muss ich diese durchführen, sagt er komm morgen schon um 5 Uhr zum Dienst oder putz hier den Boden muss ich dies nicht tun.
Sinnvoll ist es, pflegefremde Tätigkeiten auszulagern an z.B.


einen Patiententransportdienst (geschulte Pflegehelfer)
Hotellerieservice ( Essen bestellen, Essen ausgeben, Zusammenarbeit Ernährungsberatung, Koffer packen, Blumen sortieren, Aufräumarbeiten im Patientenzimmer, Getränke bringen etc.). Das können Hotelfachleute oder Pflegeassistenten sein, die speziell geschult sind
Stationsekretärin für Telefonate mit Diagnostiokabteilungen, Termine abmachen, Transportdienst bestellen, Entlassungspapiere fertigstellen, Papiere sortieren, Arztbriefe schrieben etc.
je nach Station sind weitere Möglichkeiten offen.Die Leute fühlen sich für ihren Bereich verantwortlich und sind entsprechend geschult und machen oft einen besseren Job als wir (haben wir Lust Essen zubestellen und zu verteilen? Möchte der Patient von jemanden das Essen serviert bekommen der in gleicher Kleidung gerade sein Stoma geleert hat? - Appetitlosigkeit??). Und sie sind meist billiger und dies kann als Argument fürs Management gebraucht werden: höhere Qualität zu niedrigerem Preis

Zu den ärztlichen Tätigkeiten:
Oftmals warte ich doch bis der Arzt endlich Zeit hat eine Braunüle zu legen oder die Infusion anzuhängen und muss den Patienten vertrösten. Kann ich es selber machen geht es für den Patienten evtl. schneller was ja unser Hauptanliegen sein sollte. Auch höhere Qualität zu niedrigerem Preis? Vernachlässigen darf man natürlich auf keinen Fall die Hauptaufgaben der Pflege, also die Pflege nach dem Pflegeprozess. Das ist unser Kerngeschäft.
Absehbar ist eine Weiterentwicklung unserer Berufsgruppe. In der Schweiz soll die Ausbildung analog zu den Physiotheraoeuten in spätestens 10 Jahren an der Fachhochschule stattfinden. Wir müssen also sehen, dass wir uns weiter professionalisieren ( Weiterbildungen, Fachliteratur lesen). Hauptaufgabe hat da natürlich das Management - vorgaben zu schaffen, Aufgabenbereiche und Arbeitsprozesse festzulegen und vorallem eine Kultur der multidisziplinären Zusammenarbeit zu schaffen.

Dafür setze ich mich ein, denn wenn die Berufsgruppen gegeneinander arbeiten - was haben wir dann für eine Qualität der Patientenbetreuung?

Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen....:)

Beste Grüsse Pflegeentwicklung

YinYang
27.02.2008, 21:31
Das klingt alles sehr plausibel. Wie ich schon gesagt habe, Kostenersparnis ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes.
Den Hinweis auf die Essenszubereitung nach der Stomentleerung finde ich sehr gut. Da habe ich vorher noch gar nicht drüber nachgedacht.

Hier in UK gibt´s übrigens auch Stationssekretärinnen.

Flocky
28.02.2008, 07:36
Pflegende sind in Dutschland nicht dem Arzt unterstellt. Vorgesetzte sind Stationsleitung/Abteilungsleitung/PDL/Pflegedirektorin. Der Arzt hat medizinische Weisungsbefugnis weil er die medizinische Endverantwortung trägt.
ich habe auch nie etwas anderes behaupet , denn letzendlich bedeutet das doch nicht anderes, als dass wir dem Arzt in allen medizinischen Bereichen unterstellt sind . Das bezieht sich nicht nur auf die Anordnung von Vitalwertkontrollen , obwohl das natürlich auch ein Problem sein kann , denn durch eine hohe Anzahl von nicht immer nachvollziehbaren Routinemessungen ,die durchgeführt werden müssen, weil der Arzt es angeordnet hat ,wird sehr viel Zeit gebunden.
Das bedeutet aber auch dass der Arzt Prophylaxen anordnet , die nicht immer dem Stand der Wisenschaft entsprechen , und wenn nichtg gerade eine Kontraindikation besteht, muss ich sie durchführen. Sicherlich ich kann diskutieren und auf Einsicht hoffen , aber wenn der Arzt darauf besteht muss ich es letzendlich durchführen. Selbst wenn eine Kontraindikation besteht muss ich diskutieren und die Durchführung verweigern und mich auf lange Streitgespräche einlassen, und womöglich erst den Nachweis bringen dass diese Kondtraindikation besteht . Da gehen viele Pflegekräfte den Weg des geringsten Widerstandes ,und verstecken sich hinter Arztanordnungen , das hat für mich nichts mit professionellem Verhalten zu tun.Und hier sind in meinen Augen Vorbehaltsaufgaben gefragt.Pflege legt den Bedarf an Pflege den ein Patient hat selbstsändig fest und führt diese dann auch durch ,das ist in der Regel auch so ,aber noch immer hat der Arzt die Möglichkeit diese durch Anordungen zu bestimmen.

Ich habe auch nie behauptet dass es nicht sinnnvoll ist pflegefremde Tätigkeiten auszulagern , ganz im Gegenteil ich bin sehr froh über unseres Serviceassistenten ,die uns die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten abnehmen.

Die Leute fühlen sich für ihren Bereich verantwortlich und sind entsprechend geschult und machen oft einen besseren Job als wir (haben wir Lust Essen zubestellen und zu verteilen?
Bei uns sind die Servicekräfte Hausfrauen , die angelernt wurden. Und Schulung hat ,wenn überhaupt nur in sehr gereingem Umfang stattgefunden , das bedeutet die Einhaltung von Hygienerichtlinien etc. muss von den Pflegkräften zum einen erläutert und zum anderen überwacht werden.
Allerdings sehe ich den Einsatz von sogenannnten "Pflegassisten " die die grundpflegerischen Leistungen übernehmen sollen,etwas kritisch Ich stelle es mir etwas problematisch vor den Pflegeprozeß zu beurteilen und anzupassen, wenn ich nicht selbst mit dem Patienten arbeite, und meine Informationen hierfür aus zweiter Hand erhalte.Denn wenn sich die Arbeit der Pflegekraft aus das Austeilen von Medikamenten und Infusionen ,die Duchrführung von Behandlungspflege ,und die Steuerung des Pflegeprozesses konzentrieren soll, stelle ich mir das etwas schwierig vor. Allerdings kommt es denke ich auf die Ausgestaltung an


Auch höhere Qualität zu niedrigerem Preis?
ich weiß nicht ob das tatsächlich dabei heraus kommt ich fürchte eher nicht, es wird schon schwierig genug die Qualität zun halten.Denn eine derartige Aufteilung führt ja auch zu mehr Schnittstellen ,an denen es zu Kommunikationsproblemen kommen kann.

Zu den Blutentnahmen , mir geht es noch einmal darum festzustellen das Übernehmen von Blutentnahmen hat für mich nicht mit erweiterten Kompetenzen zu tun oder mit dem Verzicht auf Kompetenzen , das war des Ausgangspunkt dieses Thread , sondern das ist eine rein handwerkliche Tätigkeit die von jedem gelernt werden kann .
Es kann nicht um eine Verteilung von Aufgaben unter der "Oberhoheit" der Ärzteschaft gehen , sondern hier müssen die Aufgaben sinnvoll und an der Prozesssen orientiert neu organisiert werden und der Pflege auch Verantwortlichkeit für ihre Aufgabengebiete zugestanden werden.
Ich möchte sicher auch nicht, dass die Berufsgruppen gegeneinander arbeiten ,sondern ich möchte meine Arbeit in einem multiprofessionellen Team durchführen ,indem jede Berufsgruppe die andere respektiert, nur davon sind wir leider noch ziemlich weit weg.
Flocky

PS: Auch in Deutschland gibt es Stationssekretärinnen ,und das hat sich organisatorisch auch teilweise recht gut bewährt , was ich aber als problematisch ansehe ist die Tatsache, dass in den meisten Fällen die Stationssekretärin überwiegend aus dem Bugdet der Pflege bezahlt wird ,aber überwiegend die Augaben einer Arztsekretärin übernimmt.

Flocky
28.02.2008, 09:50
Das bedeutet aber auch dass der Arzt Prophylaxen anordnet , die nicht immer dem Stand der Wisenschaft entsprechen , und wenn nichtg gerade eine Kontraindikation besteht, muss ich sie durchführen
Um das was ich geschrieben habe noch einmal zu verdeutlichen möchte ich hier ein Beispiel aus meiner Praxis schildern.
Vor Jahren ( mindesten 10 ) wurden in einem Qualitätszirkel die Standards der Prophylaxen überarbeitet. In diesem Rahmen wurde das Abklatschen oder Abreiben mit Frischegel oder campherhaltiger Einreibung aus dem Standard gestrichen, da keine prophylaktische Wirkung nachgewiesen werden konnte. Da Pflegekräfte sich oftmals schwer tun mit dem Abschneiden alter Zöpfe hat es noch mal 1-2 Jahre gedauert bis es dann auch nicht mehr eingekauft wurde und somit dann endgültig verschwand.
Einige Jahre später kam ein neuer leitender Arzt der der Meinung ist , das Ablatschen mit campherhaltiger Einreibung sei die prophylaktische Maßnahme für seine Patienten ( Liegedauer 3- 5 Tage ) und sei unbedingt zur Pneumonieprohylaxe durchzuführen. Die leitenden Pflegekräfte der Abteilung verwiesen dann auf den klinikinternen Standard auf pflegewissenschaftliche Erkenntnisse und letztendlich auch auf die Tatsache dass das Mittel in der Klinikapotheke gar nicht mehr zu beziehen ist. Nach einigem Hin und Her ging das Ganze dann in die Klinikleitung und dort wurde dann folgender „Kompromiss“ gefunden. Der Standard bleibt zwar bestehen ,wird allerdings dahingehend ergänzt ,dass wenn andere Maßnahmen ausdrücklich angeordnet werden, diese auch ausgeführt werden müssen. Seitdem wird in der betreffenden Abteilung wieder fleißig abgeklatscht Das Beispiel ist zwar etwas extrem und hier ging es in meinen Augen auch gar nicht um die Maßnahme an sich sondern letztendlich nur um Macht . Meist geht es eher um kleine Dinge wie irgendwelche Salben auf einen Dekubitus zu schmieren oder ähnliches und im Alltag sind die meisten Assistenten auch bereit der Argumentation von Pflegekräften zu folgen – allerdings kosten solche Diskussionen trotzdem Zeit und Nerven . Schwieriges ist es allerdings wenn leitenden Ärzte , deren pflegerische Erkenntnisse so überhaupt vorhanden, schon Jahre bis Jahrzehnte zurück liegen sich beratungsresistent zeigen und letzendelich auf ihre Anordnungskompetenz verweisen.
Wie schon in meinem vorigen Beitrag gescheiben , Zusammenarbeit in einem Team bedeutet auch das Wissen und die Kompetenz des anderen anzuerkennen. Und das fehlt mir im Moment in unserem rein auf die Medizin orientierten Krankenhauswesen, und wenn ich auf meinen fachliche Kompetenz verweise bedeutet das doch nicht, dass ich ein Gegener der Ärzte bin oder ?
Flocky

YinYang
28.02.2008, 13:07
und wenn ich auf meinen fachliche Kompetenz verweise bedeutet das doch nicht, dass ich ein Gegener der Ärzte bin oder ?

Nein, absolut nicht. Wenn überhaupt von "Gegner" die Rede sein kann, dann sind es die Ärzte gegenüber den Pflegekräften, indem sie so hartnäckig auf alten Zöpfen beharren und auf ihre Anordnung (Machtspiel) bestehen.
Ich kann allerdings die Pflegekräfte verstehen, wenn sie den Weg des geringsten Widerstandes gehen und erstmal der Anordnung folgen. Ich würde dies mit meiner Leitung diskutieren, wenn ich merke, ich komme beim Arzt nicht weiter, denn da rein würde ich meine Energien nicht verschwenden. Die Leitung muss sich dann mit dem Arzt auseinandersetzen, das ist eindeutig ihre Aufgabe.

Flocky
28.02.2008, 21:45
Die Leitung muss sich dann mit dem Arzt auseinandersetzen, das ist eindeutig ihre Aufgabe.
Das mag so sein aber ganz so einfach ist es dann aber dann doch nicht -es kann hundertmal besprochen worden sein solange es immer wieder Kollegen gibt die sich bei solchen Anordnungen fügen weil sie keine Lust haben sich auseinanderzusetzen , oder gar weil es ja auch bequem ist sich hinter einer Arztanordnung zu verstecken , werden solche Diskussionen weitergeführt werden müssen. Es sei denn wir kommen endlich zu pflegerischen Vorbehaltsaufgaben, aber vielleicht hat Pflege auch davor Angst , nämlich Entscheidungen treffen zu müssen und diese auch Patienten ,Angehörigen und auch anderen Berufsgruppen zu vertreten und ihnen das auch zu erklären - da ist es doch viel einfacher sich auf eine Arzutanordnung zu beziehen als selber Verantwortung zu übernehmen . Denn wenn ich eine Entscheidung treffe,ann es ja auch passieren dass ich zu einer Fehleinschätzung komme ,und dann muss ich natürlich auch das vetreten können.
Lange Rede kurzer Sinn , Veränderungen können nur erreicht werden wenn man sich einig ist.
Flocky

brause
04.03.2008, 16:35
einig sein ist so ein problem.

habe gerade in einer aktuellen fachzeitschrift für pflegeberufe gelesen, dass 1.2 mio pflegende in deutschland arbeiten, davon aber keine 100 000 in fachverbänden organisiert sind.
dazu werden noch diese pflegenden in 26 verschiedene verbände aufgesplittet.
wie will man die alle unter einen hut bekommen?
wer soll ansprechpartner sein z,b. für die politik?

das zu dem thema "einigkeit"

gruss brause

Michl
05.03.2008, 19:20
Kann ich es selber machen geht es für den Patienten evtl. schneller was ja unser Hauptanliegen sein sollte.Beim Lesen fiel mir dieser Satz auf. Und auch, wenn ich ungern einen Satz so komplett aus dem Kontext reiße, mache ich es bei diesem.
Weil ich denke, dass wir hier selbst mit der Argumentation derer arbeiten, die unliebsame Arbeiten auf uns verlagern wollen.

Pflege macht alles für den Patienten, damit es schneller, besser, billiger geht...
und die anderen?

Ich möchte damit sagen, dass ich eine Tätigkeit nie in mein Berufsfeld mit aufnehmen möchte, nur weil es "schneller" geht als wenn eine andere Berufsgruppe machen das würde (die diese Arbeit ganz offensichtlich nicht machen will...- deswegen der Grund für die langen Wartezeiten?)

Grüße
Michl

Aloha
28.03.2008, 22:11
Zum Thema "Delegation aerztlicher Taetigkeiten an das Pflegefachpersonal" habe ich noch folgendes gefunden:

https://www.dbfk.de/baw/download/Delegation-freiburg-27-06.pdf

und

http://www.deutscher-krankenhaustag.de/de/vortraege/pdf/Ref_.pdf

Wie kommt es eigentlich zum Begriff "aerztliche Taetigkeiten"? Gibt es bei den Medizinern einen Taetigkeitskatalog?

YinYang
29.03.2008, 22:08
Wie kommt es eigentlich zum Begriff "aerztliche Taetigkeiten"?
Das habe ich mich auch schon sehr oft gefragt.

Michl
30.03.2008, 08:25
Hallo,

mit Gewissheit kann ich das auch nicht sagen, ich gehe aber doch stark davon aus, dass es daran liegt, dass:
1. diese Tätigkeiten für Ärzte abrechenbar sind
2. Ärzte hierfür aus rechtlicher Sicht zweifelsfrei qualifiziert sind

Das dürften die wesentlichen Punkte sein, warum man diese Tätigkeiten von den pflegerischen unterscheidet.

Umverlagerungen zur Kostenreduktion sind m.E. natürlich sinnvoll. Aber die Prozesse (und vor allem die Menschen!) sind manchmal viel komplexer.

So habe ich jetzt 2mal die Erfahrung gemacht in Bezug auf Blutabnahme:

1990 haben wir noch selbst Blut abgenommen! Unmengen! Fast bei jedem Patienten jeden Tag. Dann mussten es die Ärzte tun: schwupps... 1 Drittel nur noch dessen, was davor.

2007 haben wir med. Fachangestellt bekommen, die das Blut abnehmen. Und was ist passiert? Die Laborkosten schnellen in die Höhe, so dass der Rationalisierungseffekt vollkommen verpufft.

Grüße
Michl

Cassiopaia
05.04.2008, 09:25
Wir hatten diese Diskussion erst vor kurzem in der Arbeit. Laut unseren Erkundigungen hat Michl voll und ganz Recht:
a) rechtliche Gründe zwecks Qualifikation
b) kostentechnisch.....wenn ein Arzt hinlangt (und seis nur offiziell) kann
deutlich mehr abgerechnet werden, als wie wenn wir etwas tun...

Was recht lustig war: Auslöser dieser Diskussion bei uns war die Forderung unserer Stationsärzte, daß wir ihr Blutentnahmetablett 1x/wö reinigen sollten, weil "es kann ja nicht sein, daß teure Arztzeit zum Putzen verschwendet würde" (O-Ton einer unserer Ärztinnen). Nachdem sie das Tablett aber immer wie Kraut und Rüben hinterlassen und man wirklich gefährlich lebt (Kanülen nicht in Abwurf u.ä.) haben wir uns geweigert diese Tabletts anzulangen (bis vor Kurzem haben wir noch freiwillig geputzt). Nachdem unsere SL nicht zog:D(die will sich auch nicht stechen), haben sie sich dann an die PDL gewandt welche unseren Ärzten erstmal aufzählte, was denn so alles eigentlich ärztliche Tätigkeiten sei. Ebenso klärte sie unsere Ärzte auf, daß einige dieser Tätigkeiten zwar delegiert werden können, von uns aber freiwilligübernommen werden Zu diesen Tätigkeiten kann uns (angeblich) keiner zwingen.....
Darunter fällt z.B.:
Katheterisierung jeder Art, Legen von Magensonden, Fäden entfernen, Auswahl von Verbandsmaterial..............
Seitdem putzen unsere Ärzte ihre Tabletts schön sauber und selber oder räumen darauf auf und bitten uns sehr höflich es zu säubern....

Flocky
22.04.2008, 08:32
Am 15. April wurde eine Studie des DKI vorgelegt die Neuordnung der Aufgabenverteilung in Krankenhäusern als erforderlich ansieht. Hier geht es nicht nur um die Übertragung und die Delegation von ärztlichen Aufgaben auf das Pflegepersonal s,ondern darum die Aufgabeverteilung an den Prozessen in den Kliniken zu orientieren.
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