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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage: Rolle und Funktion



Brady
28.11.2009, 23:47
Hallo zusammen,

wie geht ihr damit um? Ich habe die Leitung und habe keine offizielle Stellvertretung. Nun ist es aber so, dass dies eine Kollegin in meinem Urlaub oder anderen Fehlzeiten dies übernimmt.
Ich schätze sie sehr, aber es gibt immer wieder Konflikte/ Auseinandersetzungen diesbezüglich. Es kommt immer wieder zu Rollen- bzw. Funktionskonflikten.
Sie geht, wenn ich nicht da bin zu allen Stationsleitungsbesprechungen, sie nimmt meine Aufgaben wahr und ich spüre, dass dies zu einem Konkurrenzthema wird oder führt.
Ich habe eine Aussprache angekündigt; die in 2 Wochen ansteht.
Mein Anliegen ist, dass ich sie nicht verletzen will. Will nicht einfach sagen: "Ich bin die Leitung" und Du musst das akzeptieren oder die Aufgabe der Stellvertretung eben ablehnen.
Vielleicht habt ihr ähnliches erlebt und könnt mir Tipps geben? Die Bezahlung oder die Einsetzung offiziell als Stellvertretung ist nicht möglich und so komme ich immer wieder in diese Lage.

LG Brady

Michl
29.11.2009, 12:10
Hi Brady,


Die Bezahlung oder die Einsetzung offiziell als Stellvertretung ist nicht möglichDieser Punkt wäre aber angebracht (und ich meine sogar von der Mitarbeiterin einforderbar), wenn sie diese Rolle eigentlich immer einnimmt, wenn Du nicht da bist. Dann ist so doch die Stellvertretung, egal ob das schriftlich irgendwo dokumentiert ist oder nicht...

Tipps... ich habe (leider) schon sehr viele Konstellationen in meiner Leitungs- oder Stellvertretungsfunktion erlebt. Zumindest kann man einen gewissen Lernerfolg daraus ableiten.. es war zum Teil aber eine harte Schule und ich muss eine Lanze für alle Stellvertretungen in dieser schwierigen Position brechen. Ich werde diese Position NIE WIEDER ausüben.

Sie ist in einer echt schwierigen Situation. Noch dazu bekommt sie dafür nicht die verdiente Anerkennung. Wer weiß, was das bei ihr so für Emotionen auslöst und wohin sie dadurch geleitet wird.

Dass Kommunikation hilft, weißt Du in der Psychiatrie sowieso und dieses Gespräch zwischen Euch ist echt wichtig. Dabei würde ich trotzdem die Grenzen an einem Punkt klar ziehen:
Alles was nicht mehr änderbar ist, wird nicht ohne mich entschieden.
Zumindest ist das für mich einer der wenigen hierarchischen Privilegien, die ich für meine Zusammenarbeit mit dem ganzen Team beanspruche. Das gleiche gilt im Besonderen auch für die Stellvertretung im Zusammenhang mit Entscheidungen auf der Leitungsebene. Hier möchte ich Bescheid wissen. Ich möchte hier kein "Hü und Hott" für das Team auslösen.
Deswegen finde ich es auch wichtig, dass man gegenseitig weiß, wo "die Reise überhaupt hingehen soll". Die Stellvertretung sollte wissen, welche Ziele Du im nächsten Jahr verfolgst und welche Maßnahmen Du dafür ergreifen möchtest oder welche Rahmenbedinungen dafür geschaffen werden müssen. Am besten noch, Du beziehst sie bei diesen Entscheidungen gleich mit ein.

Bei aller Freundlichkeit MUSS ihr trotzdem klar sein, dass im Leitungsteam Kooperation dringend notwendig ist und dies auch eine Voraussetzung für das Ausüben dieser Position ist. Es darf nicht darum gehen, seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Wenn hier Konkurrenzdenken auftritt, dann tust Du gut daran, dieses Thema schnell vom Tisch zu kriegen.

Wenn sich nichts ändert, dann macht das Fortführen dieser Führungsteamkonstellation keinen Sinn. Weil das nur die Mitarbeiter irritiert und am Ende vielleicht auch das Team aufspaltet.


Will nicht einfach sagen: "Ich bin die Leitung" und Du musst das akzeptieren oder die Aufgabe der Stellvertretung eben ablehnen.So "einfach" würdest Du das eh nicht sagen. Aber mal ganz ehrlich: wenn sie Deine Rolle nicht akzeptiert, wie will sie Dich dann vertreten?

Ich finde schon, dass sie eine eigene Meinung haben darf. Aber man muss sich trotzdem an den Zielen des "Großen Ganzen" orientieren und nicht sein eigenes Süppchen kochen.

Ich denke, dass eigentlich jeder weiß, dass dies nicht funktionieren kann. Das Problem ist halt immer die emotionale Komponente. Wer mag schon gerne Konflikte auf der Arbeit... und wenn man dann als Leitung auch noch die schiefe Welt eines entrückten Mitarbeiters zurechtschütteln muss, schwingt immer die Sorge mit, dass man gleich als machtbesessen etc. angesehen wird.

Grüße
Michl

Brady
29.11.2009, 12:50
Hallo Michl*winke*,

danke, Du hast mir schon sehr mit deiner Antwort geholfen. Ich bin da zur Zeit emotional beteiligt und musste erstmal sortieren. Einfach auch aus dem Punkt heraus, dass ich letztes Jahr 4 Monate durch meinen Bandscheibenvorfall ausgefallen bin und meine Kollegin diese ganze Zeit vertreten hat.
Durch diese Situation hatte ich sehr zu knabbern und es ist mir vieles bewusster geworden.

Liebe Grüße Brady

Duria
29.11.2009, 18:59
Hallo Brady,


Sie geht, wenn ich nicht da bin zu allen Stationsleitungsbesprechungen, sie nimmt meine Aufgaben wahr und ich spüre, dass dies zu einem Konkurrenzthema wird oder führt.


Ich denke dass es schon wichtig ist, dass sie an den Besprechungen teilnimmt und Aufgaben wahrnimmt, wenn Du nicht da bist. Aber es sollten die Themen zuvor gemeinsam besprochen werden, bzw. ein Austausch stattfinden. Hier wäre für mich auch wichtig, dass dieser Austausch stattfindet, wenn ich längere Zeit ausfallen würde.

Ich bin selbst Stellvertretung und meine Leitung ist auch häufig nicht da - aber wir haben es hinbekommen, den Kurs gemeinsam zu halten. Bei wichtigen Entscheidungen besprechen wir uns (auch im Krankheitsfall), wenn das nicht geht, versuchen wir Entscheidungen zu verzögern, bis einen Absprache möglich ist. Nun ist es bei uns auch etwas einfacher. Die Stellvertretende Funktion ist klar/offiziell und es ist auch eher so, dass wir praktisch auf Augenhöhe arbeiten. Es gibt Entscheidungen, die ich - müsste ich es alleine tun - anders treffen würde, jedoch aus Loyalität akzeptieren muss. Aber das ist umgekehrt auch schon einmal so, dass Dinge in meinem Sinne entschieden werden, obwohl mein Kollege es anders entscheiden würde.
Es war allerdings zu Beginn ein sehr holpriger Weg, den wir gehen mussten und bei dem wir uns beide zuweilen auch blutige Knie geholt haben. Aber es hat sich gelohnt. Reden, reden, reden ... ;-)

Lieben Gruß Duria