Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeiten im Ausland
Cassiopaia
04.02.2009, 21:51
Hallo Leute!
Leider konnte ich mir die Reportage über Pflegepersonal in Schweden gestern nicht anschauen. Aber eine Kollegin rief mich vorhin an und meinte, daß wir nach Schweden auswandern müssten. Sie hatte die Sendung gesehen und war völlig begeistert bzw. entgeistert über die Unterschiede zu unserem Job hier in Deutschland...
Jetzt meine Frage: Ist der Unterschied wirklich soo krass? Nicht unbedingt nur was Schweden anbelangt...wahrscheinlich ist es auch in anderen Ländern deutlich "besser"?
Mich würden einfach kleine "Erfahrungsberichte" intressieren. Ich will hier keine festen Daten, einfach nur, was euch so einfällt oder was ihr evtl. von KollegInnen im Ausland hört oder gehört habt.
Liebe Grße,
Cassiopaia*winke*
Mir fällt ein, dass ich Zeit für Qualität habe, nicht nur schnell schnell durch. Ich kenne meine Patienten und nicht nur die Diagnosen.
Ich gehe nicht mit einem schlechten Gewissen nach Hause, weil ich weiss ich habe viel für den nächsten Dienst liegen lassen.
Diese Gedanke kenne ich von deutschen Kollegen.
Cassiopaia
05.02.2009, 11:27
Hallo Anja!
Danke für deine Rücmeldung erstmal:D!
Was heißt du hast Zeit für Qualität? Warum hast du Zeit dafür? Was ist da anders als bei uns? Habt ihr mehr Personal, weniger Patienten? Du kennst doch das Arbeiten in Deutschland auch, oder? Oder bist du direkt nach der Ausbildung in die Schweiz gegangen? Sind eure Aufgaben andere als bei uns? Habt ihr mehr Hilfspersonal? Macht ihr auch so viele pflegefremde Tätigkeiten?
Viele Fragen, ich weiß, aber mich intressierts wirklich:D!
Liebe Grüße,
Cassiopaia*winke*
Ich habe ein FSJ und die Ausbildung in Deutschland gemacht.
Wir sind eine Station mit 18Patienten, aller Fachrichtungen. Standart am Morgen: mind 4 Diplomierte, mind eine Assistentin, mind eine Lernende und Studierende,Stationssekretärin, ausserdem Hotellerie (Essen,Handtücher tauschen, Patientenplatz aufräumen) und Putzpersonal.
Mein Ablauf:
7Uhr bis 7.30Uhr einlesen
bis 8.30Uhr Blutentnahmen, Überwachungen, ggf Leute mobilisieren
Pause mit Standort bis 9Uhr
9Uhr - 11Uhr Visiten, Morgentoiletten, Fixzeiten, Gespräche, Untersuchungen (Transporte bestellen)
11Uhr Rapport, erste Gruppe geht zum Essen (45min)
12Uhr Rapport, zweite Gruppe geht Essen (45min)
Währrend die eine gruppe beim Essen ist und die andere Gruppe alleine auf Station ist, wird zur Klingel gegangen, geschrieben oder andere anfallende Tätigkeiten.
13Uhr Standort + Kaffeepause
13.30Uhr bis 15Uhr Verbände, alle PatDoks müssen geschrieben sein.
15Uhr bis 15.40Uhr Spätdienst liest sich ein danach bis 16Uhr Pflegevisite.
16Uhr Medizin Patdok Visite
bis 18Uhr alle Patienten am Tisch, Abendessen
45min Abendessenpause auf Station für das Pflegepersonal
Abendrunde, Fixzeiten, Op Rückverlegungen...
22.30Uhr Rapport an den Nachtdienst.
2stdl Runden Ämtliplan (Medikamente bestellen, Reamaterial kontrollieren...)
Cassiopaia
05.02.2009, 14:40
OK, also habt ihr definitiv deutlich mehr Personal als wir*ok*!
Nur kurz zum Verständnis.... Rapport....ist das unsere Übergabe???
Und was heißt Pause mit Standort? Bereitschaftspause? Und allen Ernstens....früh ne Pause und Mittag nochmal ne 3/4 Stunde? Wielange arbeitest du in einer "normalen" Frühschicht?
Was meinst du mit Studierenden? Studiert man in der Schweiz Pflege oder sind das Medizinstudenten?
Also personell "schockt" mich die Verteilung etwas...wenn ich überlege, daß wir für gewöhnlich 3 (in Glücksfällen4) Pflegekräfte auf 21 Patienten haben. Manchmal sind noch Auszubildende oder FSJler dabei, aber sicher sein kann man sich nie. Hotellerie hab ich nich nie zu Gesicht bekommen und die Sekretärin ist nur von 8-12 da und in der Zeit ist sie auf mehreren Stationen.....
Bist du deshalb in die Schweiz gegangen?
Liebe Grüße,
Cassiopaia*winke*
OK, also habt ihr definitiv deutlich mehr Personal als wir*ok*!
JAAA, ganz sicher!
Nur kurz zum Verständnis.... Rapport....ist das unsere Übergabe???
Rapporte sind übergaben und oder kurzes zusammenkommen um zu schauen wo man steht und ob man Hilfe braucht oder geben kann.
Und was heißt Pause mit Standort? Bereitschaftspause? Und allen Ernstens....früh ne Pause und Mittag nochmal ne 3/4 Stunde? Wielange arbeitest du in einer "normalen" Frühschicht?
Siehe oben. Ja wir müssen auch mal zur Klingel, die Pat kennen unsere Pausenzeiten und meist klingeln sie nicht.
Ja zwei 15min Pausen und eine 45min Pause.
Frühdienst von 7Uhr bis 16.15Uhr
Was meinst du mit Studierenden? Studiert man in der Schweiz Pflege oder sind das Medizinstudenten?
Ja, man studiert Pflege.
Mit Medizinstudenten habe ich nicht wirklich was zu tun, ausser sie untersuchen einen Pat am Eintrittstag.
Also personell "schockt" mich die Verteilung etwas...wenn ich überlege, daß wir für gewöhnlich 3 (in Glücksfällen4) Pflegekräfte auf 21 Patienten haben. Manchmal sind noch Auszubildende oder FSJler dabei, aber sicher sein kann man sich nie. Hotellerie hab ich nich nie zu Gesicht bekommen und die Sekretärin ist nur von 8-12 da und in der Zeit ist sie auf mehreren Stationen.....
Hotellerie hat es bei uns. Sie teilen Essen aus, nehmen die Essensbestellungen auf, verteilen Zeitungen und frische Handtücher, bringen Kaffee oder die "mobilen" Patienten zum Taxi am Austrittstag. Sie haben eine eigene Ruftaste.
Die Stationssekretärin hat höchstens zwei Stationen und ist von 8Uhr bis 17Uhr im Dienst. Sie bereitet Austritte vor, kopiert, macht Materialbestellungen...
Bist du deshalb in die Schweiz gegangen?
Nicht nur deshalb. Als ich mich hier beworben habe, war mir das ganze nicht mal so bewusst.
Aber eine Kollegin rief mich vorhin an und meinte, daß wir nach Schweden auswandern müssten. Sie hatte die Sendung gesehen und war völlig begeistert bzw. entgeistert über die Unterschiede zu unserem Job hier in Deutschland...
Ich habe den Bericht gesehen... und was soll ich sagen..
meine Gefühle haben geschwankt zwischen Neid, Fassungslosigkeit und Traurigkeit
Und wenn ich dann noch höre, welcher Stellenplan dann in der Schweiz zu existieren scheint, dann frag ich mich wirklich, warum es deutsches Pflegepersonal nicht so macht wie die in Finnland. Natürlich weiß ich, warum das in Deutschland nicht hinhaut... aber das macht dann eben wieder traurig.
Pflegepersonal wird "verheizt". Weil Pflegepersonal aufoperungsvoll, unorganisiert und wie ein Oberarzt kürzlich sagte: am wenigsten wichtig für den Patienten im Krankenhaus ist. Eigentlich muss man noch "dumm" hinzufügen, wenn es um Adjektive für Pflegekräfte geht.
Aber mit Jammern kommen wir eben nicht weiter.
Vielleicht sollten wir den den Pflegekräftemangel (*???*) in Schweden bekämpfen.
Ich hab sogar mal nen Schwedischkurs an der VHS gemacht... naja, vor 20 Jahren
Grüße
Michl
Cassiopaia
06.02.2009, 14:40
Pflegepersonal wird "verheizt". Weil Pflegepersonal aufoperungsvoll, unorganisiert und wie ein Oberarzt kürzlich sagte: am wenigsten wichtig für den Patienten im Krankenhaus ist. Eigentlich muss man noch "dumm" hinzufügen, wenn es um Adjektive für Pflegekräfte geht. Aber mit Jammern kommen wir eben nicht weiter. Vielleicht sollten wir den den Pflegekräftemangel () in Schweden bekämpfen. Ich hab sogar mal nen Schwedischkurs an der VHS gemacht... naja, vor 20 Jahren
Ja, vielleicht triffts das. Ich dachte ne ganze Weile, eigentlich ist es doch garnicht so schlimm und wir ziehen uns gegenseitig einfach nur runter. Ich meine, es ist ja nicht immer die Hölle in unseren Krankenhäusern zu arbeiten, manchmal ists auch echt ruhig und schön. Aber wenn ich dann Berichte lese oder von anderen Menschen höre, daß es eigentlich in fast allen anderen Ländern (zumindest Europa) deutlich besser ist und es dort eben nur manchmal schlimm ist frage ich mich wirklich woran das liegt...und es frustriert mich. Es frustriert mich, weil ich besser arbeiten möchte, aber es nicht kann, weil mir Zeit, Mittel und Ausbildung fehlen. Und es frustriert mich, weil ich nicht den Mut habe auszuwandern. Und es macht mich wütend und traurig, daß ich überhaupt auswandern muß um in meinem Job gut arbeiten zu können!
(Wie schauts denn in Großbritannien aus? Da könnte ich wenigstens schon mal halbwegs die Sprache:D! Schwedisch ist mir glaub ich zu schwer:D))
Ich war heute mit zwei Arbeitskolleginnen frühstücken. Wir haben uns auf Arbeiten in Holland geeinigt:D, da fehlt dann auch noch der Frust übers "Nicht-sterben-dürfen"!
Die eine Kollegin ist Türkin und hat bereits mehrfach in der Türkei in KH hospitiert....selbst da ist die Besetzung besser und es gibt jede Menge "Hotellerie"- Personal....
Einfach nur noch frustrierend....
Liebe Grüße,
Cassiopaia
Ich habe den Beitrag noch nicht gesehen, werde das aber auf jeden Fall nach den vielen Gesprächen auf Station über daas Thema garantiert nachholen.
Zum Teil sind wir selbst schuld, da wir uns alles gefallen lassen und uns nicht zusammentun und gegen diese Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. Stattdessen lassen wir uns mit befristeten Verträgen zu einem Hungerlohn an die Leine legen. Ich kann nur sagen an alle und vor allem an die, die sich ihren Gerwerkschaftsbeitrag sparen: Wären die deutschen Pflegekräfte organisiert, dann könnten wir ähnlich Druck ausüben wie die Lokführer, die Ärzte usw. oder die Pflegekräfte in Finnland (die für deutlich mehr Gehalt gestreikt haben) und würden zunächst mal eine würdige Bezahlung für unsere Arbeit erhalten. Und hätten trotz Gewerkschaftsbeitrag für uns netto mehr in der Tasche als bisher. Mich macht das Verhalten der Pflegekräfte nicht traurig sondern eher wütend und finde es, da stimme ich mit Michl überein, ziemlich dumm.
Neidisch auf die Schweden oder auf die Schweiz bin ich nicht wirklich. Natürlich wäre es schön, wenn man unter diesen traumhaften Bedingungen Wenn ich mutig genug gewesen wäre in jungen Jahren hätte ich ja auch gehen können. So enfach ist es aber nicht sich ein neues soziales Umfeld und die damit verbundene Sicherheit aufzubauen.
Zugegeben ich habe ein wenig den Glauben verloren, dass wir auch nur annähernd solche paradiesischen Zustände wie in Scandinavien oder der Schweiz erreichen. Ich habe viele Jahre in meinen jeweiligen Bereichen versucht, die Leute von Berufspolitik und ähnlichem zu überzeugen. Alle jammern mit, aber sich letztendlich zu organisieren tut fast keiner.
Gruß
Behid
Und hier ein Link für alle die es ernsthaft versuchen wollen!
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Hallo ihr!
Vielleicht ein kurzer Bericht aus Norwegen.
Mich hat es nach Norwegen verschlagen, weil ich mich 1990 auf einer 8-wöchigen Reise durch Skanidnavien in das Land Norwegen verliebt hatte.
Ich war seitdem nicht mehr hier (bis zu unserer Auswanderung 2007). Lange habe ich davon geträumt, Deutschland zu verlassen. Zuerst war mein Examen in Norwegen nicht anerkannt (1990) und als ich 2002 in unserer Tageszeitung in Deutschland las, das Krankenschwestern für Norwegen gesucht werden, da hab ich gedacht, damals wollten sie mich nicht und jetzt kann ich nicht mehr, wegen meiner Familie (Mann und vier Kinder).
Aber anscheinend schwelte dieser Wunsch immer noch unbewusst weiter und als ich 2006 ein ziemliches seelisches Tief hatte, wurde mir klar, das ich diesen Weg gehen muss. Meine Familie zu überzeugen war kein großes Problem und für mich war klar, das es nur Norwegen sein kann (ich weiß nicht warum, dieses Land rief mich).
In meinem Beruf etwas zu bekommen, war kein Problem, ich hatte erst in einem Altenheim angefangen, was mir aber arbeitsmäßig überhaupt nicht gefiel. Trotzdem da schon unglaubliche Arbeitsbedingungen. Morgens drei bis vier Bewohner zu betreuen, Bewohner, die umfangreiche Pflege benötigen, zu zweit (hjelpepleier-2 jährige Ausbildung und Krankenschwester). Wenn ein Bewohner verstarb, saß jemand des Pflegepersonals am Bett, wenn kein Angehöriger da war.
Jetzt arbeite ich wieder in der Dialyse (habe ich 18 Jahre in Deutschland gemacht) und war eigentlich in Deutschland so weit, das ich aufhören wollte, denn der Druck von den Patienten und auch der Zeitdruck wurde immer größer.
Hier fangen wir im Frühdienst um 7.30 an, jede Krankenschwester hat 2-3 Patienten zu betreuen. Bis 8 Uhr werden die Maschinen aufgebaut, danach gibt es einen halbstündigen Rapport und dann werden die Patienten angelegt.
Der ganze Arbeitsablauf und auch der Umgang miteinander (Patienten, Pflegepersonal, Ärzte) empfinde ich als viel ruhiger, freundlicher und angenehmer. Das ganze Leben hier im Land ist ruhiger, freundlicher. Ich kann es gar nicht beschreiben, ich glaube, man muss es selbst erleben.
Zu alt ist eigentlich niemand für diesen Schritt, ich selbst war 44, als wir gegangen sind und gerade in Norwegen (und wahrscheinlich auch in Dänemark und Schweden) werden Arbeitnehmer mit viel Berufserfahrung sehr geschätzt.
Die Sprache ist nicht wirklich ein Problem, gerade für uns Deutschsprechende ist es nicht schwer, in die Sprache reinzukommen.
LG, Kirsten.
Wenn ich mutig genug gewesen wäre in jungen Jahren hätte ich ja auch gehen können. So enfach ist es aber nicht sich ein neues soziales Umfeld und die damit verbundene Sicherheit aufzubauen.
Hallo Morfie, vielen Dank für deinen Bericht! Mittlerweile habe ich den Bericht im Fernsehen über Schweden auch gesehen und wie fast alle, war ich beeindruckt von der arbeit dort.
Mit meinem Zitat oben meinte ich auch nicht, dass man irgendwann zu alt ist, aber man gibt einfach mehr auf, wenn man schon sehr lange in einem bestimmten Umfeld lebt. Und ab einem gewissen Altern kommen dann auch andere Dinge hinzu, wie beispielsweise pflegebedürftige Eltern, die einen hindern diesen Schritt zutun. Ich bewundere alle, die es gewagt haben.
In meinem Beruf etwas zu bekommen, war kein Problem,
Es gibt mittlerweile Berichte, dass auch in schwedischen Kliniken Personal abgebaut wird. Ist das in Norwegen noch nicht der Fall?
Und was mich bei "Auswanderern" auch immer interessiert? Habt ihr kein Heimweh? Die Berichte nach dem Auswandern lesen sich meist spannend und aufregend! Mich würde auch interessieren, wo denn die Probleme lagen, wo gab es Unterstützung und Hilfen, was sind die Unterschiede zum Leben hier Deutschland.... und da meine ich nicht nur die beruflichen Unterschiede!
Ich würde mich freuen, wenn du auch darüber mal berichten könntest!
Gruß
Behid
Hallo Behid,
von dem Stellenabbau habe ich auch gehört und hier in der Stavangerregion (Norwegen) ist davon absolut nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Stellenangebote im Krankenhausbereich und im kommunalen Bereich sind nach wie vor gut gefüllt.
Was das Heimweh betrifft, so habe ich es nicht gehabt. Vielleicht bin ich auch ein Sonderfall, weil ich schon so lange den Wunsch hatte, Deutschland zu verlassen und das Ruhrgebiet, wo ich früher lebte, nie als meine Heimat betrachtete. Ich hatte immer das Gefühl, das ich dort nicht bis an mein Lebensende leben werde und das ich nur noch etwas erledigen muss, dann werde ich gehen. Was das "erledigen müssen" war, weiß ich bis heute nicht, aber ich weiß, das vor zwei Jahren der Punkt gekommen war, an dem ich gehen musste, meine Zeit war dort einfach vorbei und es sollte woanders weitergehen. Ich kann es nicht beschreiben, es war einfach ein Gefühl.
Ich bin danach auch zweimal wieder in Deutschland zu Besuch gewesen und es war auch schön, Bekannte und Freunde wieder zu sehen, aber es war trotzdem so ein Gefühl, das dort einfach nicht mehr mein Platz war.
Trotzdem war es nicht so, das ich ausgewandert bin und alles war gut. Ich habe mich in dem ersten Jahr gefühlt, wie ein Baum, den man verpflanzt hat und der erst neue Wurzeln bilden muss. Das dauert seine Zeit und kostet am Anfang auch Kraft. Viel Unterstützung hat mir meine Familie gegeben, besonders auch auf der ersten Arbeitsstelle, die sich als ein Fehlgriff herausstellte.
Jetzt habe ich beruflich und auch privat meinen Platz gefunden. Wir wohnen in Egersund, in einem kleinen Örtchen mit 13.000 Einwohnern und haben unser kleines Paradies gefunden, das was ich lange Jahre gesucht habe. Ich mag die Menschen hier, ich mag ihre Freundlichkeit, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Toleranz und auch ihre Zurückhaltung. Die ganze Lebenseinstellung, vieles nicht so eng zu sehen, "ta det med ro", ist eine Lebenseinstellung hier (nimm es mit Ruhe). Es gibt einige, die mit diesem Leben nicht zurecht kommen, aber ich habe das Gefühl, für mich ist es das, was ich lange gesucht habe.
LG, Kirsten.
Vielen Dank Kirsten, für die interessanten Einblicke in dein Leben. So ein wenig kann ich dich verstehen.
Vor einigen Jahren hatte ich auch den Wunsch, das Gefühl irgendwo anders leben zu wollen. Ich wollte neu anfangen. Mein Zielort war Neuengland in den USA. Leider hat das beruflich nie funktioniert, weil u.a. dort unser Examen nicht anerkannt wird. In einer Stadt in Massachusetts (habe ich das jetzt richtig geschrieben?) hatte ich bereits bei meinem ersten Besuch das Gefühl wie zuhause zu sein. Das hatte ich weder vorher noch nachher an einem anderen Ort auf der Welt. Ich war inzwischen 4x dort und habe jedesmal wieder das Gefühl dort könnte ich leben! Vielleicht wird es ja doch mal was in der Zukunft, aber ich fühle mich im Rheinland auch zuhause.
Was mir gerade einfällt: dieser Spruch "nimm es mit Ruhe" kam in dem ZDF-Beitrag über die deutschen Krankenschwestern in Schweden auch 1-2x vor. Scheint die Lebenseinstellung in ganz Skandinavien zusein.
Gruß
Behid
Hallo Morfie/Kirsten!
Ich habe deinen Beitrag über Norwegen gelesen...mein Mann ist z.Zt.in Norwegen/Tonstad für 6 Mo, wir überlegen auch Auszuwandern, bin Dialyseschwester in Berlin und würde dann gerne in der Dialyse weiterarbeiten, in Stavanger ist ja eine Dialyse, gibt es dort noch mehr Dialysen??Egersund oder Flekkefjord??wo arbeitest du??Liebe grüße, manuela
Hallo ihr!
Vielleicht ein kurzer Bericht aus Norwegen.
Mich hat es nach Norwegen verschlagen, weil ich mich 1990 auf einer 8-wöchigen Reise durch Skanidnavien in das Land Norwegen verliebt hatte.
Ich war seitdem nicht mehr hier (bis zu unserer Auswanderung 2007). Lange habe ich davon geträumt, Deutschland zu verlassen. Zuerst war mein Examen in Norwegen nicht anerkannt (1990) und als ich 2002 in unserer Tageszeitung in Deutschland las, das Krankenschwestern für Norwegen gesucht werden, da hab ich gedacht, damals wollten sie mich nicht und jetzt kann ich nicht mehr, wegen meiner Familie (Mann und vier Kinder).
Aber anscheinend schwelte dieser Wunsch immer noch unbewusst weiter und als ich 2006 ein ziemliches seelisches Tief hatte, wurde mir klar, das ich diesen Weg gehen muss. Meine Familie zu überzeugen war kein großes Problem und für mich war klar, das es nur Norwegen sein kann (ich weiß nicht warum, dieses Land rief mich).
In meinem Beruf etwas zu bekommen, war kein Problem, ich hatte erst in einem Altenheim angefangen, was mir aber arbeitsmäßig überhaupt nicht gefiel. Trotzdem da schon unglaubliche Arbeitsbedingungen. Morgens drei bis vier Bewohner zu betreuen, Bewohner, die umfangreiche Pflege benötigen, zu zweit (hjelpepleier-2 jährige Ausbildung und Krankenschwester). Wenn ein Bewohner verstarb, saß jemand des Pflegepersonals am Bett, wenn kein Angehöriger da war.
Jetzt arbeite ich wieder in der Dialyse (habe ich 18 Jahre in Deutschland gemacht) und war eigentlich in Deutschland so weit, das ich aufhören wollte, denn der Druck von den Patienten und auch der Zeitdruck wurde immer größer.
Hier fangen wir im Frühdienst um 7.30 an, jede Krankenschwester hat 2-3 Patienten zu betreuen. Bis 8 Uhr werden die Maschinen aufgebaut, danach gibt es einen halbstündigen Rapport und dann werden die Patienten angelegt.
Der ganze Arbeitsablauf und auch der Umgang miteinander (Patienten, Pflegepersonal, Ärzte) empfinde ich als viel ruhiger, freundlicher und angenehmer. Das ganze Leben hier im Land ist ruhiger, freundlicher. Ich kann es gar nicht beschreiben, ich glaube, man muss es selbst erleben.
Zu alt ist eigentlich niemand für diesen Schritt, ich selbst war 44, als wir gegangen sind und gerade in Norwegen (und wahrscheinlich auch in Dänemark und Schweden) werden Arbeitnehmer mit viel Berufserfahrung sehr geschätzt.
Die Sprache ist nicht wirklich ein Problem, gerade für uns Deutschsprechende ist es nicht schwer, in die Sprache reinzukommen.
LG, Kirsten.
Hallo Manuela,
hab dir eine Mail geschickt, PN war leider nicht möglich. Würde mich freuen, wieder von dir zu hören.
LG, Kirsten
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